"Anpacken und Tee trinken"

Ein Interview von Prof. Veronika Bellone mit Dr. Thomas Henn, Leiter Qualitätsmanagement, TeeGschwendner GmbH, Meckenheim

TeeGschwendner-Zentrale in Meckenheim/Deutschland. Foto © TeeGschwendner
TeeGschwendner-Zentrale in Meckenheim/Deutschland. Foto © TeeGschwendner

TeeGschwendner gilt nicht nur als größter Tee-Facheinzelhändler Deutschlands. Als Franchise-System gehört es auch zu den festen und beliebten Größen in der „Franchise-Welt“. Das Engagement von TeeGschwendner im Rahmen des Greenfranchising ist beeindruckend. Gerne möchte ich Ihnen im folgenden Interview mit Herrn Dr. Thomas Henn einen kleinen Einblick in die nachhaltige Welt von TeeGschwendner geben.    

Prof. Veronika Bellone: TeeGschwendner hat ökologisches und soziales Engagement in der Unternehmensphilosophie verankert. Können Sie uns etwas darüber sagen, wann und von wem der Impuls dafür ausging?    

Dr. Thomas Henn: Von Albert Gschwendner persönlich, dem Gründer von TeeGschwendner. Er und seine Frau haben diese Werte von Beginn an, das heisst seit 1976 gelebt und so auch das Unternehmen und spätere Franchise-System geprägt.     

Prof. Veronika Bellone: In den Leitgedanken von TeeGschwendner drückt sich soziales und ökologisches Engagement unter anderem darin aus, dass sie der Umwelt mit Fürsorge, Verantwortung und Respekt begegnen. Würden Sie uns einen kurzen Überblick über Ihre Schwerpunktthemen geben?    

Dr. Thomas Henn, Leiter Qualitätsmanagement. Foto © TeeGschwendner
Dr. Thomas Henn, Leiter Qualitätsmanagement. Foto © TeeGschwendner

Dr. Thomas Henn: Die Themen leiten sich aus unseren Wertmassstäben ab. TeeGschwendner steht für ausgezeichnete Teequalität und Produktsicherheit. Das heisst, dass wir unser Augenmerk und Engagement sehr stark auf die Erzeugerländer richten und auf die Qualitätsbeurteilung und Qualitätssicherung der Tees. Dabei spielt für uns die ganzheitliche Betrachtung eine große Rolle. Bei den Projekten in den Erzeugerländern, wie zum Beispiel in Nepal, ist es uns wichtig, dass beide Seiten etwas davon haben. In Nepal war das Ziel, die Lebenssituation der Kleinbauern zu verbessern. So sind für die einzelnen Familien Biogas-Anlagen gebaut worden, aber es ist zum Beispiel auch eine Teefabrik für die Weiterverarbeitung von Teeblättern für alle entstanden. TeeGschwendner unterstützt nicht nur das Projekt, sondern leistet auch Aufklärungsarbeit, wenn es um den Umgang mit den Tees und die Umstellung vom ehemals konventionellen hin zum ökologischen Tee-Anbau geht. Mittlerweile ist die Kooperative auch Bio-zertifiziert. Teil des Projektes war zudem ein Schulungszentrum, das den nepalesischen Teebauern zu noch mehr Eigenständigkeit verhilft. Unser Nutzen daraus ist, dass wir heute und morgen wissen, woher wir qualitativ guten Tee beziehen können. Und da sind wir bei unserem nächsten Schwerpunktthema von nachhaltigem Wirken: der Sicherheit.     

Sicherheit ist ein großes Thema und im Lebensmittelmarkt schon über den Gesetzgeber reguliert. Wir haben zur Sicherstellung der Qualität ein eigenes Labor in unserer Zentrale in Meckenheim eingerichtet. Hier wird unter wissenschaftlicher Leitung alles überprüft, was aus den Erzeugerländern kommt – und das in allen Produkt- und Angebotsstadien. Das ermöglicht uns, Kaufentscheidungen bereits auf der Basis einer umfassenden Qualitätsbeurteilung zu treffen und mit unseren Produzenten ein qualitativ hochwertiges, sauberes und gesundes Produkt anzubieten.    

Prof. Veronika Bellone: Wie multiplizieren und leben Sie Ihre nachhaltigen Leitgedanken im Franchise-System – mit den Partnern und Partnerinnen und Mitarbeitenden in der Zentrale?   

F&C Golden Award 2009. Foto © TeeGschwendner
F&C Golden Award 2009. Foto © TeeGschwendner

Dr. Thomas Henn: Im Grunde genommen überzeugen wir unsere Mitarbeitenden und Partner/innen dadurch, dass wir leben, was wir versprechen. Albert Gschwendner hat einmal in einem Interview gesagt: „Nachhaltig und im Einklang mit der Natur wirtschaften, darum geht es. Ohne Natur kein Teeanbau“. Im erweiterten Sinne: Ohne Wertschätzung unserer Mitarbeitenden und Partner/innen keine Arbeitsqualität und keine Zufriedenheit. Dass wir damit auf der richtigen Fährte sind, durften wir unter anderem durch verschiedene Auszeichnungen erfahren, mit dem F&C Award Gold 2005 im Rahmen einer Partner-Zufriedenheitsanalyse und dem Golden Award 2009 als besonders gutes Unternehmensnetzwerk. Von der Verbraucher Initiative e.V. wurden wir 2011 als nachhaltiges Unternehmen ausgezeichnet. 

Mit Franchise-Partner/innen in Nepal. Foto © TeeGschwendner
Mit Franchise-Partner/innen in Nepal. Foto © TeeGschwendner

Wir leben diese Wertschätzung, indem wir unsere Partner/innen wie Mitarbeitenden umfangreich schulen und sie motivieren, sich mit uns und untereinander auszutauschen und Ideen einzubringen. Dafür haben wir verschiedene Tools und Plattformen entwickelt sowie ein modular aufgebautes Schulungssystem zu verschiedensten Themen im Produktbereich und der Betriebsführung. Selbstverständlich bieten wir weitere ergänzende franchisespezifische Unterlagen und Betreuungsmaßnahmen. Zentral ist jedoch – um beim Thema gelebter Nachhaltigkeit zu bleiben – dass wir unsere Partner/innen und Mitarbeitenden durch ein hohes Maß an Einbindung in unsere Welt des Tees zu Repräsentanten und Repräsentantinnen aus Überzeugung machen. Es ist eine Freude zu erleben, wie Partner/innen, die ein Erzeugerland bereist haben und mit den dortigen Bauernfamilien in Kontakt kamen, die Teeprodukte im Geschäft verkaufen. Sie können erlebte Geschichten erzählen. Und dieser Spaß, diese Echtheit erzeugt auch ein entsprechendes Einkaufserlebnis für die Kunden und Kundinnen. 

Prof. Veronika Bellone: Wie haben Sie die Zieldefinition „Nachhaltigkeit“ im Rahmen der Verantwortlichkeiten und in der Unternehmensorganisation gelöst? Gibt es eine Art „Nachhaltigkeits-Vorstand“, einen „Nachhaltigkeits-Partnerbetreuer“, „Nachhaltigkeits-Manager“ und „Nachhaltigkeits-Controller“?    

Dr. Thomas Henn: Wir lösen das interdisziplinär, in dem alle Bereichsverantwortlichen den „Nachhaltigkeitsvorstand“ bilden und den Abgleich von Zielsetzungen mit den erreichten Ergebnissen vornehmen und weiterentwickeln.     

Prof. Veronika Bellone: Wie hoch ist Ihr Marketingbudget für nachhaltige Projekte? Und worin sehen Sie für TeeGschwendner einen Return on Investment?    

Dr. Thomas Henn: Ich fange mit dem Return on Investment an. Dieser tritt dann ein, wenn die Produkte aus Projekten in den Erzeugerländern, unseren hohen Anforderungen entsprechen und nachhaltig den Bedarf decken. Natürlich ist das ein längerwährender Prozess bis es dazu kommt. So müssen wir jedes Projekt sehr individuell kalkulieren. Das mögliche Teevolumen abwägen und die Spezialitäten in der Vermarktung berücksichtigen. Für neue Teesorten bzw. neue Erzeugerländer müssen wir den Markt jeweils sensibilisieren. Auch das braucht seine Zeit und entsprechenden (finanziellen) Einsatz.    

Prof. Veronika Bellone: Öko-Test hat gerade zwei Grüntees von TeeGschwendner zu Testsiegern gekürt. Wirken sich derartige Auszeichnungen auf den Absatz aus?    

Dr. Thomas Henn: Solche Auszeichnungen zahlen selbstverständlich auf die Marke ein und bestätigen unsere Kunden und Kundinnen in ihrer Entscheidung, bei uns zu kaufen. Und gerade bei Bio-Produkten sind Konsumenten in ihrer Beurteilung noch strenger und wählerischer.    

Prof. Veronika Bellone: Neben dieser erwähnten Auszeichnung - wie reagieren Ihre Kunden auf Ihr nachhaltiges Engagement? Und gibt es zielgruppenspezifische Wahrnehmungsunterschiede?    

Tigerschutzprogramm des NABU. Foto © TeeGschwendner
Tigerschutzprogramm des NABU. Foto © TeeGschwendner

Dr. Thomas Henn: Was wohl alle Kunden und Kundinnen in ihrer Wahrnehmung eint ist, dass wir auf höchste Qualität achten und uns dafür mit großem Elan einsetzen. So divers unsere sozialen wie ökologischen Projekte sind, so unterschiedlich sind auch die Impulse und Reaktionen der Zielkunden. Fühlen sich die klassischen Teetrinker/innen von Engagements in bekannten Erzeugerländern wie zum Beispiel Indien angezogen, so sind sie auch begeistert, dass wir dort das Tigerschutzprogramm des NABU unterstützen. Engagierte, ökologisch Interessierte sehen in der Tatsache, dass wir im Unternehmen bereits seit 1995 mit einer Solaranlage „Grünen Strom“ generieren und auf unserem Unternehmensgelände ein Pausenerholungsgebiet mit einem Regenauffangbecken angelegt haben, große Glaubwürdigkeit. Jüngere, „coole“ Teetrinker finden unseren „Club Eistee“ oder unsere Aktivitäten für diverse regionale Einrichtungen interessant und unseren Wissenspool, über neuartige Teetrends informiert zu sein bzw. selbst solche zu kreieren. 

Prof. Veronika Bellone: Updates zur stetigen Belebung des Konzeptes und zur Weiterentwicklung gehören zu den Aufgaben der Franchisegeber-Zentrale, um die ökonomische Nachhaltigkeit zu sichern. Wie sieht Ihre Innovationskultur aus?     

Dr. Thomas Henn: Wie bereits anfangs erwähnt, ist uns der Austausch mit unseren Partnern und Partnerinnen wie Mitarbeitenden sehr wichtig. Daraus entstehen wieder neue Impulse und ein gemeinschaftliches Verständnis. Natürlich braucht es dafür eine Struktur. Wir haben zum Beispiel so genannte Ideenblätter, die an die Zentrale gesandt werden. Ein Kreativteam aus Partnern sowie Mitarbeitenden der Zentrale überprüft und beurteilt die Ideen auf Machbarkeit, Einsatzmöglichkeit und Markenkompatibilität. Für den Einsatz von Produkttests und Prototypen haben wir ein Sensorik-Tool entwickelt, mit dem wir die Kundenakzeptanz überprüfen können. 

Über unsere Betreuungsmaßnahmen und Beiräte haben wir ergänzende Möglichkeiten, Neuerungen einfließen zu lassen.    

Prof. Veronika Bellone: Worin sehen Sie Ihre Nachhaltigkeitsziele in den nächsten Jahren?    

Dr. Thomas Henn: Auf der einen Seite möchten wir uns an unserem Standort in Meckenheim und mit unsern Mitarbeitern dort zum Thema Nachhaltigkeit weiterentwickeln. Und auch wenn es heute schon etwas „abgenutzt“ klingen mag: Wir wollen mit der Wahrnehmung unserer Kernkompetenz, „der Beschaffung von Tee“, auch mit unseren nationalen und internationalen Partnern langfristig eine „Win-Win-Situation“ realisieren. Dergestalt, dass die Interessen aller Beteiligten – von den Produzenten über die Franchise-Partner/innen bis hin zu uns als System-Geber - integriert werden. Das ist eine spannende Herausforderung und wir nehmen sie gerne an.    

Prof. Veronika Bellone: Vielen Dank, Herr Dr. Henn, für Ihre umfangreichen und informativen Antworten und Darstellungen. Wer auch das Produktangebot genauer kennen lernen möchte, kommt hier zur Homepage von TeeGschwendner.

Das Interview wurde von Prof.Veronika Bellone im Februar 2012 geführt.

© Prof.Veronika Bellone, Bellone Franchise Consulting GmbH, Zug/CH.

Kontakt: office @bellone-franchise.com www.bellone-franchise.com

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