Fünf Fragen an TeeGschwendner

Thomas Matla interviewt Alexander Mehnert, Geschäftsführer TeeGschwendner GmbH, Meckenheim

Teatasting by TeeGschwendner (Photo Copyright: TeeGschwendner)
Teatasting by TeeGschwendner (Photo Copyright: TeeGschwendner)

1. Thomas Matla: Guten Tag Herr Mehnert, 2012 hat Prof. Veronika Bellone mit Dr. Thomas Henn, dem Leiter Qualitätssicherung bei der TeeGschwendner GmbH, ein längeres Interview geführt, das sich ebenfalls hier auf dem GreenfranchiseMarket nachlesen lässt. Seitdem hat sich die Welt weitergedreht. Wo steht TeeGschwendner heute, was hat sich verändert und was ist geblieben?

Alexander Mehnert, Geschäftsführer TeeGschwendner (Photo Copyright: TeeGschwendner)
Alexander Mehnert, Geschäftsführer TeeGschwendner (Photo Copyright: TeeGschwendner)

Alexander Mehnert: Heute steht TeeGschwendner wie schon seit Beginn der Unternehmensgeschichte für höchste Produktqualität und -sicherheit. Mit unserem firmeneigenen Labor, das jeden Tee nach weit strengeren Maßstäben überprüft als der Gesetzgeber vorschreibt, unseren erfahrenen Tea Tastern, deren kritische Gaumen nur die besten Qualitäten aussuchen und unserer engagierten Projektarbeit in den Ursprungsländern halten wir diese Standards aufrecht. 

 

Unsere Suche nach neuen Teeanbaugebieten mit hohen Qualitäten geht stets weiter, so dass wir Anfang 2017 ein neues, bisher beinah gänzlich unbekanntes Ursprungsland präsentieren können: Neuseeland. Vor der Gründung des Zealong Tea Estates war niemand auf die Idee gekommen, dass sich hier Tee anbauen lässt. Doch das Experiment ist geglückt und hat einen ganz herausragenden Tee hervorgebracht, wie man ihn nirgendwo sonst auf der Welt bekommt. Wir freuen uns sehr, als exklusiver Händler in Deutschland diesen einmaligen Tee unter die Menschen bringen zu dürfen. Auch in anderen Teeanbaugebieten haben wir unsere Arbeit weiter fortgesetzt. Inspiriert durch den Erfolg in Nepal haben wir gemeinsam mit der GIZ in Myanmar ein ähnliches soziales Projekt gestartet und hoffen, bald auch Produkte aus dem Ursprungsland der Teepflanze anbieten zu können. Es gibt immer noch viel zu tun, um die Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Teegärten weltweit zu verbessern.

 

Deshalb ist es für uns nach wie vor ganz wichtig und selbstverständlich, dass unsere Franchisepartner die Gelegenheit haben, unsere Teebauern vor Ort zu besuchen und sich selbst ein Bild von den Fortschritten und Ergebnissen unserer Projektarbeit zu machen. Schließlich sind es die Franchisepartner, die diese Erfahrung im Verkaufsgespräch weitergeben und unsere Projekttees noch erfolgreicher machen.

 

Dieser Grundgedanke unserer ökologischen und sozialen Verantwortung als Unternehmen hat uns Mitte 2015 dazu veranlasst, ein neues firmeninternes Projekt anzustoßen: unseren ersten Nachhaltigkeitsbericht. In Zukunft wird er alle zwei Jahre in aktualisierter Form erscheinen und unsere Fortschritte dokumentieren, sowie möglichen Handlungsbedarf identifizieren.

 

2. Thomas Matla: Sie haben bereits Ihren erschienenen Nachhaltigkeitsbericht angesprochen, der unter Anwendung der neusten GRI-G4-Richtlinien erstellt wurde. Welche Bedeutung hat dieser für Ihr Unternehmen, Ihre Mitarbeitenden und Partner/innen und welche Reaktionen erhoffen Sie sich aus Kundenperspektive?

 

Alexander Mehnert: Die Umsetzung unseres ersten Nachhaltigkeitsberichts hat uns wertvolle Einblicke in die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter, Franchisepartner und Lieferanten geliefert, uns gezeigt, was bereits heute gut läuft und an welchen Stellen noch Optimierungspotenzial herrscht. Als zukunftsorientiertes Unternehmen legen wir besonderen Wert auf eine kontinuierliche Verbesserung unserer internen und externen Abläufe. Dabei orientieren wir uns immer stark an den Bedürfnissen unserer Teebauern, Mitarbeiter, Lieferanten und natürlich unserer Partner in den Fachgeschäften. Der Nachhaltigkeitsbericht hilft uns, Schwachstellen ausfindig zu machen und zu beheben. Gleichzeitig bezieht er alle Partner entlang der Wertschöpfungskette mit ein und gibt Ihnen die Möglichkeit, über regelmäßige Zufriedenheitsbefragungen wichtige Anstöße für Veränderungen zu geben.

Die Teebauernfamilie Rai in Ost-Nepal (Photo Copyrights: TeeGschwendner)
Die Teebauernfamilie Rai in Ost-Nepal (Photo Copyrights: TeeGschwendner)

Aus der Nachhaltigkeitsanalyse im Vorfeld des Berichts haben wir konkrete Ziele abgeleitet und Maßnahmen festgelegt, die bis zum nächsten Nachhaltigkeitsbericht umgesetzt werden sollten. Durch diese regelmäßige Selbstkontrolle sind wir angehalten, unsere ohnehin hohen Qualitäts- und Sicherheitsansprüche in allen Bereichen des Unternehmens noch stringenter umzusetzen. Natürlich hoffen wir, dass auch unsere Kunden dieses Engagement wahrnehmen und wertschätzen. 

Kräuterreise mit Franchise-Partnern (Photo Copyright: TeeGschwendner)
Kräuterreise mit Franchise-Partnern (Photo Copyright: TeeGschwendner)

Konkret haben wir bereits einige Ziele aus dem ersten Nachhaltigkeitsbericht umsetzen können. So haben wir in Myanmar wie geplant ein neues Projekt im Ursprung gestartet und sind seit September 2016 Mitglied der Ethical Tea Partnership, einer Non-Profit-Organisation, die sich für einen nachhaltigen und sozialen Teeanbau einsetzt. Als Gründungsmitglied des bio innovation park Rheinland fördern wir die Entwicklung und Umsetzung innovativer Methoden zur nachhaltigen Agrarwirtschaft. Die so erzeugten Bio-Kräuter werden wir 2017 dann auch in unser Kräutertee-Sortiment aufnehmen. Und schließlich haben wir in diesem Jahr eine weitere Zufriedenheitsbefragung unserer Mitarbeiter und Franchisepartner durchgeführt, deren Ergebnisse in den zweiten Nachhaltigkeitsbericht für 2016 einfließen werden.   

3. Thomas Matla: Was war der schwerste Schritt in der Erarbeitung des Nachhaltigkeitsberichts, was das größte Hindernis, worauf sind Sie besonders stolz und welche Empfehlung können Sie anderen Unternehmen geben, die sich dem Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung zuwenden wollen?

Alexander Mehnert: Der schwerste Schritt für uns war sicherlich, erst einmal eine Struktur in die große Fülle an Daten zu bringen. In unserer Systemzentrale arbeiten etwa 150 Mitarbeiter, die verschiedenste Aufgaben erfüllen und an unterschiedlichen Stellen des Gesamtablaufs beteiligt sind. Was uns zunächst als recht simples und leicht verständliches Konzept erschien, stellte sich bei der Erarbeitung unseres ersten Nachhaltigkeitsberichts als hochkomplexes System heraus. Die Herausforderung bestand nun darin, diese Komplexität für den Bericht wieder in eine vereinfachte Form zu bringen und auf die wesentlichen Grundwerte unseres Unternehmens zu reduzieren.

 

Dieser Aufwand hat sich für uns mehr als gelohnt: wir haben durch die Analyse unserer Strukturen und die Bewertung unserer eigenen Arbeitsweise wertvolle Einblicke in die Unternehmensabläufe gewonnen, die vorher nicht ins Auge gefallen sind. So hat sich für alle Mitarbeiter ein vollständigeres Bild des Unternehmens ergeben, das es leichter macht, Zusammenhänge zu verstehen und einzelne Abläufe und Strukturen nachzuvollziehen. Besonders stolz sind wir auf das umfassende Bild der gelebten ökologischen und sozialen Verantwortung im Unternehmen und darauf, dass die Zufriedenheit unter unseren Mitarbeitern, Partnern und Lieferanten so hoch ist. Es ist schön zu wissen, dass TeeGschwendner als anständiger Arbeitgeber und Auftraggeber wahrgenommen wird. Diesen hohen Anspruch an uns selbst werden wir auch in Zukunft weiter verfolgen und die Umsetzung durch künftige Nachhaltigkeitsberichte immer wieder überprüfen.

 

Alexander Mehnert und Thomas Holz (Photo: TeeGschwendner)
Alexander Mehnert und Thomas Holz (Photo: TeeGschwendner)

Ich empfehle jedem Unternehmen, das Thema Nachhaltigkeitsbericht aktiv anzugehen und dadurch ein besseres Verständnis für interne Abläufe, Strukturen und Entscheidungen zu entwickeln. Nicht nur für die Unternehmensführung ist das wichtig, sondern auch für die Mitarbeiter. Über Erreichtes sollte gesprochen und Dank für die Leistung aller Mitwirkenden ausgesprochen werden. Der Nachhaltigkeitsbericht ist das ideale Instrument für Unternehmen, um alle Beteiligten miteinzubeziehen. Dieses Ziel stand für uns ganz klar im Mittelpunkt bei der Ausformulierung unseres Nachhaltigkeitsberichts. Er sollte allen Mitarbeitern von TeeGschwendner noch einmal bewusst machen, was für großartige Arbeit wir geleistet und was wir gemeinsam alles erreicht haben – in jeglicher Hinsicht, von der Produktion über den Verkauf bis hin zu unserem sozialen und ökologischen Engagement. Das Ziel für die Zukunft ist nun, nicht auf der Stelle zu verharren, sondern diese positive Entwicklung weiter voranzutreiben und uns immer weiter zu verbessern.

4. Thomas Matla: Ein anderes Thema: Bestehende Geschäftskonzepte werden zunehmend von neuen, disruptiven und digitalen Geschäftsmodellen bedroht. Sehen Sie hier Gefahren für Ihr Geschäftskonzept im Bereich der Teewirtschaft und wie begegnen Sie diesen Entwicklungen?

Alexander Mehnert: Glücklicherweise können wir bei TeeGschwendner auf jahrzehntelange Erfahrung mit unserem Franchise-Geschäftsmodell zurückblicken und wissen, dass es unter verschiedensten Marktbedingungen funktioniert. Deshalb fühlen wir uns nicht wirklich bedroht durch neuere digitale Geschäftsmodelle. Der Teehandel ist eine spezielle Branche mit besonderen Anforderungen, die unserer Ansicht nach niemals über rein digitale Angebote erfüllt werden können. Tee ist ein Genussmittel, das erschnuppert, ertastet und probiert werden will. Kein Online-Shop wird das jemals in der Form leisten können wie es unsere ausgebildeten und erfahrenen Partner in den Fachgeschäften vor Ort tun, die nicht nur über ein breites theoretisches Wissen über Tee verfügen, sondern bei uns auch die einmalige Chance haben, in die Ursprungsländer zu reisen und unsere Teebauern persönlich kennenzulernen. Dieser besondere Erfahrungsschatz macht die Beratung in unseren Fachgeschäften zu einem einzigartigen Erlebnis für unsere Kunden.

 

TeeGschwendner Flagship-Store in Hamburg, Bergstrasse (Photo Copyrights: TeeGschwendner)
TeeGschwendner Flagship-Store in Hamburg, Bergstrasse (Photo Copyrights: TeeGschwendner)

Gleichzeitig ist es natürlich unerlässlich, dass wir uns mit neuen Entwicklungen am Markt beschäftigen und unser eigenes Modell immer wieder überdenken und anpassen. Unser Vorteil als etabliertes Unternehmen ist hier, dass wir nicht gleich jeden Trend mitmachen müssen, sondern sorgfältig prüfen und auswählen können. Auf der anderen Seite steht TeeGschwendner seit jeher für Innovation im Teefachhandel und im Einzelhandelsbereich allgemein. Wir sind als Unternehmen immer wieder neue Wege gegangen, lange bevor andere sich getraut haben.

 

Gerade was den digitalen Wandel angeht, sind wir einer der Vorreiter. So haben wir bereits im Jahr 1999 den ersten Online-Shop für Tee eröffnet. Seit zwei Jahren gibt es unsere TeeGschwendner Shopping-App und im Oktober dieses Jahres erfolgte der Relaunch unserer mobiloptimierten Website. Wir haben schon früh erkannt, dass ein Online-Shop unverzichtbar ist und betrachten ihn als wichtiges Instrument zur Unterstützung unserer Fachgeschäfte vor Ort. Kunden möchten heute möglichst viele verschiedene Kaufoptionen haben, unabhängig von Ort und Uhrzeit. Dieses Bedürfnis erfüllen wir mit unserem Online-Angebot, bewerben dort mit dem StoreLocator aber gleichzeitig auch unsere lokalen Geschäfte. Über den Einsatz von elektronischen Gutscheinen unterstützen wir ebenfalls den Handel vor Ort, denn hier findet nach wie vor das Hauptgeschäft statt.

 

Wir glauben, der beste Weg, mit dem digitalen Wandel im Einzelhandel umzugehen, ist die Schaffung eines ganz individuellen positiven Einkaufserlebnisses im Geschäft. Ein Kunde, der eine besonders gute persönliche Beratung erfahren hat und den Laden hochzufrieden verlässt, wird gerne wiederkommen, auch wenn er das gleiche Produkt online schneller und einfacher bekommen könnte. Entscheidend ist: der Kunde hat die Wahl, ob er lieber im Geschäft beraten werden oder zeitsparend und unkompliziert online einkaufen möchte.

5. Thomas Matla: Zuletzt eine eher persönliche Frage: Was sind Ihre Wünsche und Ziele bei TeeGschwendner und wo sehen Sie das Unternehmen in 10 Jahren?

Dreh des neuen TV-Spots 2016 (Werbeagentur Serviceplan)
Dreh des neuen TV-Spots 2016 (Werbeagentur Serviceplan)

Alexander Mehnert: Das wichtigste Ziel, das uns bei TeeGschwendner seit jeher antreibt, ist die Freude am Tee zu wecken und immer mehr Menschen für dieses unglaublich vielseitige und schöne Getränk zu begeistern. Und das nicht nur in Deutschland, wo wir natürlich weiter unsere Marktführerposition im Teefacheinzelhandel beibehalten und stärken möchten, sondern auch im Ausland. Mein persönlicher Wunsch für TeeGschwendner ist eine erfolgreiche Ausweitung unserer Fachgeschäfte auf dem österreichischen und Schweizer Markt, ebenso wie in weiteren europäischen Ländern. Außerdem erwarte ich mit Spannung die Entwicklungen im arabischen Raum, wo wir bereits mit mehreren Fachgeschäften vertreten sind und gerne noch weitere Franchisepartner gewinnen möchten.

Key Visual zum neuen TeeGschwendner-TV-Spot
Key Visual zum neuen TeeGschwendner-TV-Spot

Bei all diesen Überlegungen zum Ausbau unserer Auslandsmärkte ist für uns eines immer ganz klar: wir streben nicht den Weltmarkt an, denn das wäre aufgrund der geringen verfügbaren Mengen an höchster Qualität nicht umsetzbar. Wir werden unsere Wertestandards nicht zugunsten des Weltmarkts opfern, sondern auch in zehn Jahren nur hochwertigen Tee von bester Qualität anbieten.

 

Weiter haben wir uns bei TeeGschwendner das Ziel gesetzt, einen deutlich höheren Bio-Anteil in unserem Sortiment zu erreichen und die Qualität unserer Teeprodukte allgemein weiter zu steigern. Dazu tragen auch unsere Sozial- und Umweltprojekte in den Teeanbaugebieten bei. Hier möchten wir unsere Anstrengungen ausweiten, um im Ursprung sichere und biologische Anbaumethoden umzusetzen und damit unsere hohe Produktqualität dauerhaft zu gewährleisten.

 

Ein Projekt, das mir persönlich sehr am Herzen liegt, ist die Qualität unseres Franchisesystems aufrechtzuerhalten und weiter zu verbessern. Der Systemcheck des Deutschen Franchise-Verbandes, den wir als DFV-Mitglied regelmäßig durchführen – und das seit jeher überaus erfolgreich – ist hier ein obligatorisches Qualitätssiegel. Außerdem steht für uns natürlich die Partnerzufriedenheit an vorderster Stelle. Auch in dieser Hinsicht sind wir bereits mehrfach ausgezeichnet worden, zuletzt 2016 wieder mit dem F&C Award in Gold. Ich wünsche mir, dass sich dieser Trend in den nächsten Jahren weiter fortsetzt und TeeGschwendner seinen Status als Benchmark-gebendes Franchisesystem mit sehr hoher Partnerzufriedenheit auch in zehn Jahren noch innehat.

 

Das sind nur einige Beispiele für die Wünsche und Visionen, die ich für TeeGschwendner habe. Natürlich arbeiten wir immer weiter daran, unsere Leitsätze von Verantwortung, Premiumqualität, Sicherheit, Wertigkeit, Kompetenz und Unabhängigkeit in allen Unternehmensbereichen umzusetzen und zu fördern. Und daran wird sich auch in zehn Jahren nichts ändern.

Thomas Matla: Herr Mehnert, haben Sie vielen Dank für Ihre informativen und inspirierenden Antworten. Weiterhin viel Erfolg und Beharrlichkeit auf Ihrem nachhaltigen Tee-Weg.

Weitere Videos von und über TeeGschwendner finden Sie unter Greenfranchise.tv.

Das Interview wurde von Thomas Matla im Dezember 2016 geführt.

© Thomas MatlaBellone Franchise Consulting GmbH, Zug/CH.

Kontakt: office @bellone-franchise.com www.bellone-franchise.com

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