Erst mobil, dann drehbar und als 2-in-1-Konzept: «Pasta Barn» und «Müsli Bar» am Hbf. Zürich

Prof. Veronika Bellone im Gespräch mit Philipp und Pascal Luder, Gründer von Pasta-Barn.ch

«Pasta Barn» am Hauptbahnhof Zürich. Photo © Philipp & Pascal Luder, «Pasta Barn»
«Pasta Barn» am Hauptbahnhof Zürich. Photo © Philipp & Pascal Luder, «Pasta Barn»

Am Morgen Müesli, Porridge und feinster Kaffee, am Nachmittag feine Pasta-Gerichte und Nudelsuppe – ein Besuch beim ersten drehbaren Imbiss-Stand Europas lohnt sich auf jeden Fall. Zwei Jungunternehmer (22 und 25 Jahre) haben am HB Zürich mit ihrem Konzept „Pasta Barn und Müesli Bar“ den ersten drehbaren Imbiss-Stand Europas eröffnet und betreiben diesen mit viel sozialem Engagement und Leidenschaft.

Die Attraktivität dieses Konzepts lebt aber nicht nur vom hohen Innovations- und Frische-Aspekt, sondern auch vom gelebten nachhaltigen Ansatz – so werden die Pasta und die Pasta-Saucen vom renommierten Ausbildungs- und Integrationsunternehmen Brüggli in Romanshorn bezogen. Das Brüggli engagiert sich für Menschen mit psychischen oder körperlichen Problemen. Das Demeter Joghurt beziehen die beiden von der Sennerei am Bachtel. Dort fertigen 12 Mitarbeitende das Bifidus Nature Jogurt nach strengsten Demeter Standards. Die Sennerei betreibt drei geschützte Arbeitsplätze und legt auf Nachhaltigkeit und soziales Engagement höchsten Wert. „Gutes mit Gutem verbinden“, das Motto der beiden Gründer, findet bereits grossen Anklang am Hauptbahnhof in Zürich.

«Pasta and More». Photo © Philipp & Pascal Luder, «Pasta Barn»
«Pasta and More». Photo © Philipp & Pascal Luder, «Pasta Barn»

Prof. Veronika Bellone: Lieber Philipp und lieber Pascal, was für ein wunderbarer Gastronomie-Stand und welch überzeugendes Angebot! Könnt‘ ihr uns etwas zu eurer Initialzündung für das Geschäftskonzept sagen? Wie seid ihr auf solch eine Idee gekommen?   

Pascal Luder: Begonnen hat alles mit der Idee einen eigenen Foodtruck zu entwerfen und zu betreiben. Da es aber bereits sehr viele Foodtrucks gibt, sollte unserer doch etwas anders werden. Somit beschlossen wir, diesen in Form eines Pferdeanhängers zu bauen. Auf der Suche nach einem Produkt, das alle lieben, haben wir uns dann dazu entschieden, darin frische Pasta mit köstlichen Saucen aus regionalen Zutaten anzubieten. Als wir dann per Zufall auf das Brüggli stiessen, war das Konzept perfekt. Gutes Essen mit gutem Tun verbinden – so lautet unser Motto. Nach wenigen Monaten erkundigten wir uns dann bei der SBB bezüglich eines temporären Standplatzes mit unserem Foodtruck in der Haupthalle im Bahnhof Zürich. Nachdem wir ihnen unser Konzept vorgestellt hatten, empfahlen sie uns voller Begeisterung, uns für einen freien Standplatz in der Sihlquai Passage zu bewerben. So entstand dann die Idee vom „angewurzelten Foodtruck“. Schlussendlich konnten wir die SBB von unserem nachhaltigen, sozialen und innovativen Konzept überzeugen und erhielten den Zuschlag für den Standplatz (gerade mal 5 Monate nach „Geburt“ unserer Geschäftsidee).

Morgens «Müesli Bar», mittags «Pasta Barn». Photo © Philipp & Pascal Luder, «Pasta Barn»
Morgens «Müesli Bar», mittags «Pasta Barn». Photo © Philipp & Pascal Luder, «Pasta Barn»

Philipp Luder: Täglich laufen 45‘000 Leute vor unserem Standort am Hauptbahnhof in Zürich vorbei. Eigentlich wollten wir dort nur Pasta wie in unserem Food Truck verkaufen, aber leider essen nur die wenigsten von uns schon um 6 Uhr in der Früh Pasta mit Carbonara oder Bolognese Sauce. Also mussten wir uns überlegen, was wir als Frühstück anbieten könnten. Da links und rechts von uns Gipfeli und Bretzel verkauft werden, haben wir uns für eine trendige, und vielleicht etwas vollwertigere Variante entschieden. Zum Frühstück bieten wir deshalb Müesli, warmes Porridge und Kaffee an. Ab Mittag dann unsere geliebte Pasta. Da wir aber nur eine Arbeitsfläche von gerade mal 20qm haben, konnten wir die beiden Konzepte nicht nebeneinander, sondern nur hintereinander bauen. Also haben wir zwei Verkaufsfronten gebaut und drehen jeweils um 11.30 Uhr den ganzen Stand um 180 Grad. Am Morgen laufen die Passanten also an unserer Müesli-Bar, und ab Mittag an unserer Pasta-Bar vorbei. So entstand dann unser finales Konzept von Pasta Barn & Müesli Bar.

Prof. Veronika Bellone: Mit eurem ersten drehbaren „Imbiss-Stand“ Europas habt ihr ein sehr flexibles Food-Angebot realisiert. Zeitlich versetzt bietet ihr zwei verschiedene Speisenangebote. Wie kommen diese an? Und, helfen die Passanten wirklich mit beim Drehen eures Shops?

Philipp Luder, «Pasta Barn». Photo © Philipp & Pascal Luder, «Pasta Barn»
Philipp Luder, «Pasta Barn». Photo © Philipp & Pascal Luder, «Pasta Barn»

Philipp Luder: Unsere Produkte und die Geschichte dahinter kommt bei den Passanten sehr gut an! Wir merken, dass immer mehr Leute darauf Wert legen, was sie essen und woher ihr Essen stammt. Da treffen wir mit unseren frischen und regionalen Produkten natürlich genau den Nerv der Zeit. Auch das soziale Engagement schätzen unsere Gäste sehr. Unser Konzept erlaubt natürlich auch, dass unsere Gäste am Morgen auf dem Weg zur Arbeit einen frischen Barista-Kaffee und ein warmes Porridge mitnehmen und sich dann auf dem Heimweg eine köstliche Portion Pasta gönnen. Wir bieten also mehrere Hauptmahlzeiten im selben Konzept an. Dazu kommt natürlich noch, dass wir unseren Stand täglich mehrmals drehen. Wir finden immer begeisterte Gäste, welche uns beim Drehen helfen. Als Belohnung für die Anstrengung erhalten sie dann natürlich aber auch ein kleines Dankeschön. Auch durften wir dieses Jahr einen der grössten Schweizer Publikumspreise in der Gastronomieszene gewinnen – den Best of Swiss Gastro Award. Dies war für uns natürlich völlig überraschend und eine grosse Ehre, da unser Konzept gerade mal seit einem Jahr präsent ist. Dies bestätigt uns aber, dass unser Konzept bei den Gästen und der Fachjury gut angekommen ist und motiviert uns für die Zukunft.

Prof. Veronika Bellone: Mit eurem Doppel-Stand kommt ihr schon rein äusserlich faszinierend daher. Aber ihr verfügt auch über innere Werte. Laut Unternehmensziel wollt ihr euren geschäftlichen Erfolg im Einklang mit gutem Tun erbringen. Wie findet ihr dafür die richtigen Kooperationspartner/innen und Mitarbeitenden, die eure Werte teilen? 

Pascal (links) und Philipp Luder bei der Best of Swiss Gastro-Preisverleihung. Photo © «Pasta Barn»
Pascal (links) und Philipp Luder bei der Best of Swiss Gastro-Preisverleihung. Photo © «Pasta Barn»

Pascal Luder: Das ist richtig. Uns war es wichtig, nicht nur gutes Essen anzubieten, sondern dabei auch Gutes zu tun. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschieden, mit dem Ausbildungs- und Integrationsunternehmen Brüggli sowie der Sennerei am Bachtel zusammenzuarbeiten. Beide Unternehmen leisten sensationelle Arbeit und legen höchsten Wert auf Nachhaltigkeit und soziales Engagement.

 

Auch wir haben uns lange überlegt, ob wir mit beeinträchtigten Menschen arbeiten wollen, meint Philipp Luder. Im Team haben wir aber dann beschlossen, einen anderen, vielleicht nicht weniger sozialen Ansatz zu wählen. In engster Zusammenarbeit mit dem Arbeitsvermittlungsdienst des Kantons Zürich ist es uns bei Eröffnung gelungen, 8 von 15 Mitarbeitenden anzustellen, die bereits ausgesteuert waren. Unser Team ist bunt durchmischt. Es findet sich jegliches Alter, jede Hautfarbe und ganz viele Nationalitäten bei uns wieder. Aber alle haben etwas gemeinsam: ein jeder von unseren Mitarbeitern trägt die Sonne im Herzen und ist bestrebt, unseren Gästen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Das macht für uns den alles entscheidenden Unterschied. Es ist natürlich toll, wenn man Gutes mit Gutem verbinden kann. Mit jeder Portion die wir verkaufen, tun wir damit nicht nur dem Gast, sondern auch noch vielen anderen etwas Gutes. Ein Grund mehr, wieso uns dieses Konzept so viel Spass bereitet!

Prof. Veronika Bellone: Das mit der Sonne im Herzen bei euren Mitarbeitenden kann ich nur unterstreichen. Selbst am Abend strahlen sie! Euer Stand im Hauptbahnhof Zürich ist an einer gut frequentierten Lage. Wie habt ihr diesen Platz gefunden und vorab bewertet?

Philipp Luder: Wie mein Bruder Pascal bereits erwähnte, war dies ein gelungener Zufall. Natürlich haben wir den Standort aber vorab bewertet. Jeden Tag laufen 45‘000 Passanten an unserem Geschäft in der Sihlquai Passage vorbei. Das ist ziemlich einzigartig und spricht für sich. Auch konnten wir uns mit unserem Angebot von der Konkurrenz abheben. Zudem haben die Verantwortlichen des ShopVille-Zürich vom Beginn weg an uns und unser Konzept geglaubt. Das ist für zwei Jungunternehmer wie meinen Bruder und mich fast so wichtig, wie der Standort selber.

Pascal (links) und Philipp Luder an ihrem Verkaufsanhänger in Liechtenstein. Photo © Philipp & Pascal Luder, «Pasta Barn»
Pascal (links) und Philipp Luder an ihrem Verkaufsanhänger in Liechtenstein. Photo © Philipp & Pascal Luder, «Pasta Barn»

Prof. Veronika Bellone: Ihr seid nicht nur in Zürich mit einem Stand vertreten, sondern auch in Liechtenstein mit einem Verkaufswagen. Habt ihr vor, mit beiden Vertriebsvarianten weiter zu wachsen? Wo wollt ihr in zwei bis drei Jahren stehen?

Pascal (links) und Philipp Luder an ihrem drehbaren Stand im Bahnhof Zürich. Photo © Philipp & Pascal Luder, «Pasta Barn»
Pascal (links) und Philipp Luder an ihrem drehbaren Stand im Bahnhof Zürich. Photo © Philipp & Pascal Luder, «Pasta Barn»

Pascal Luder: Die SBB hat die Angewohnheit, erfolgreiche Konzepte von Bahnhof zu Bahnhof zu reichen. Wir haben so viel Spass mit unserer drehbaren Müesli und Pasta-Bar, dass wir uns sehr gut vorstellen können, dieses Konzept auch an anderen Standorten zu bauen. Dasselbe gilt natürlich auch für unseren Foodtruck. Wir sind richtig gespannt, was die Zukunft bringt. Aber langweilig wird sie kaum!

Prof. Veronika Bellone: Philipp und Pascal, habt vielen Dank für eure Einblicke in eure Geschäftsentwicklung und weiterhin viel Erfolg!

Copyright Interview von Prof. Veronika Bellone by Bellone Franchise Consulting GmbH, Zug/Schweiz