Der Name ist Programm

Prof. Veronika Bellone interviewt Marja Baas, holländische Gründerin von Goodforall (NEU: MYOMY)

Unter dem holländischen Label „Goodforall“ werden bislang Leder-Taschen und –Accessoires hergestellt. Der Leitgedanke der Firma ist, Arbeitsplätze zu schaffen in Regionen, wo diese am nötigsten gebraucht werden (*Bottom of the Pyramid). Arbeitsplätze in grossem Massstab durch die Fairtrade-Herstellung von Qualitätsprodukten, die eine grosse Abnehmerschaft weltweit haben. Produkte aus natürlichen, umweltfreundlichen Materialien in einem gänzlich transparenten Prozess. Um hiermit einen Beitrag zur Realisierung der Millenniumsziele zu leisten. Und zwar so, dass alle Beteiligten sich darüber freuen und stolz darauf sind.

 

Ich habe mich gefreut, Marja Baas, die Gründerin von Goodforall am Ethical Fashion Forum in Berlin kennenzulernen und mit ihr nachfolgend ein Interview zu führen.

Veronika Bellone: Marja, du bist die Initiatorin und Gründerin von Goodforall. Was war der Auslöser dafür?

Marja Baas, hier in Indien. Foto Goodforall

Marja Baas: Ich konnte 2006 meinen erfolgreichen Verlag gut verkaufen. Mein Know-how, das ich mir über die Jahre angeeignet habe, verbunden mit dem Wunsch, etwas Neues im Einklang mit der Welt zu starten, war die Initialzündung. Dieses Ziel vor Augen, sich für eine Verbesserung von sozialen, ökologischen und ökonomischen Bedingungen einzusetzen und das kulturübergreifend, hat mich angetrieben. In diesem Zusammenhang wurde ich auf ein Fairtrade-Projekt in Indien aufmerksam. Gute Fachleute, Handwerker/innen, die Leder verarbeiten. Was gefehlt hat, um auf den internationalen Märkten anzukommen, waren schicke Modelle für Taschen und Accessoires. Da war mein Part gefragt. Mit der Design Academy in Amsterdam wurden die ersten Taschenentwürfe kreiert. Die Idee nahm Gestalt an und Goodforall wurde 2007 gegründet.

Veronika Bellone: Deine Mission ist sehr ambitioniert und beeindruckend. Wie hast du den Start von Goodforall erlebt?

Marja Baas: Der Anfang war natürlich ein „Sich-Finden“. Sowohl, was die Verarbeitungsqualität anbelangt, wie die Möglichkeiten, die eigenen Ansprüche hinsichtlich ökologischer, ökonomischer und sozialer Optimierung durchzusetzen. Aber unser Engagement wurde immer wieder bestärkt. Zu Beginn wurde eine holländische Journalistin auf Goodforall aufmerksam und publizierte einen Artikel über uns. Das löste eine wahre Bestellflut aus. 800 Taschen wurden online bestellt – zu dem Zeitpunkt waren aber gerade 75 in Handarbeit gefertigt worden. Die Kunden und Kundinnen zeigten gegenüber Goodforall jedoch sehr viel „Goodwill“ und nahmen Wartezeiten in Kauf. Eine wunderbare Erfahrung. Dafür bekommt jeder eine Tasche mit einer Story und nachvollziehbaren Wertschöpfungskette.

VB: Wo stehst du heute? Wie bist du mit dem heute Erreichten zufrieden?

Marja Baas: Heute haben wir diese „Kinderkrankheiten“ hinter uns. Wir haben sozusagen den Durchbruch geschafft. Wir setzen umweltfreundliche Methoden zur Verarbeitung des Leders ein. Wir können mit unseren qualitativ hochwertigen und modischen Taschen, Menschen eine gute Arbeit geben, mit der sie eine sechsköpfige Familie ernähren können, die schulische Ausbildung der Kinder sichern und für die Gesundheitsvorsorge sorgen. Und wir tun all das unter Berücksichtigung der kulturellen Eigenheiten. Wie sagte eine amerikanische Kundin über unser Angebot: „Buy a bag – change a life“.

Veronika Bellone: Goodforall ist neben dem Heimmarkt Niederlande in Deutschland und Kalifornien vertreten. Wie kommen die Goodforall Produkte in diesen Märkten an? Welche Feedbacks gibt es zur Initiative der Fairtrade-Produktion?

Marja Baas: Wir bekommen ein grosses positives Echo, nicht nur offline, sondern auch online über soziale Medien wie Twitter und Facebook. Wir sind in den angesprochenen Märkten bislang über hochwertige Modeketten wie z.B. Anna van Toor (http://www.annavantoor.nl/) und in Kaufhäusern und Online-Portalen vertreten. In insgesamt rund 100 Läden und Online-Shops. Jetzt wollen wir vor allem den Vertrieb im D/A/CH-Raum verstärken, da wir dort auf sehr gute Resonanz stossen.

Veronika Bellone: Wo siehst du deine zukünftigen Herausforderungen?

Marja Baas: Wir haben bereits dazu beitragen können, dass in der nachhaltigen Fertigung mit alten Mustern gebrochen wird, traditionellen Mustern, wie „Fairtrade-Produkte sind nicht innovativ oder modisch“. Wir liefern sehr gute Qualität und ein ebensolches Design. Für letzteres arbeiten wir sowohl mit talentierten Nachwuchs- wie etablierten Designern in Holland zusammen. Wir möchten alle Beteiligten, vom Designer, über die Arbeitenden in der Manufaktur in Indien, bis hin zu den Käuferinnen, den gebührenden Stolz und die Freude erleben lassen, die diese Produkte bringen.

Wenn dieser Funke auch andere Firmen motiviert, Nachhaltigkeit frisch und positiv zu denken, dann ist schon viel erreicht!

Marja Baas (li.) mit Veronika Bellone. Foto: Th. Matla
Marja Baas (li.) mit Veronika Bellone. Foto: Th. Matla

Veronika Bellone: Vielen Dank für das inspirierende Gespräch und ganz viel Erfolg bei deinen zukünftigen Vorhaben.

 

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Das Interview von Prof.Veronika Bellone mit Marja Baas wurde im Frühjahr 2013, während der Ethical Fashion Week in Berlin, geführt.

 

Copyright:

Prof.Veronika Bellone, Bellone Franchise Consulting GmbH, Zug

Kontakt: office@bellone-franchise.com