Mit einer „guten Sache“ unternehmerisch erfolgreich sein

Prof. Veronika Bellone im Gespräch mit Dr. Hans-Jörg Dohrmann, CEO m-way AG, Schweiz

m-way wurde 2010 als Tochter der Migros mit dem Ziel gegründet, sich mit eigenen Fachmärkten frühzeitig im Bereich der Elektromobilität zu spezialisieren. Die Migros ist neben COOP das grösste Detailhandelsunternehmen der Schweiz und engagiert sich sehr stark in allen Bereichen der Nachhaltigkeit. (Ein Interview von Thomas Matla mit Hedy Graber zum Thema "Migros-Kulturprozent" und zur Auszeichnung zum "Kulturinvestor des Jahres" finden Sie ebenfalls hier im GreenfranchiseMarket). Als Experte gestaltet m-way die ökologische und effiziente Fortbewegung mit einem ausgewählten Angebot an Elektrofahrzeugen führender europäischer Marken (E-Bikes, E-Scooter und E-Cars) sowie Infrastrukturlösungen, innovative Online-Tools, Zubehör und einem umfassenden Service auch in Zusammenarbeit mit Mobility, der SBB und Siemens.

Veronika Bellone: 2010 ist m-way mit einem Pionierkonzept an den Markt getreten. Das sich verändernde gesamtgesellschaftliche Mobilitätsverhalten sollte gleichzeitig angeschoben und durch attraktive Elektrofahrzeuge führender europäischer Marken (E-Bikes, E-Scooter und E-Cars) sowie intelligenten Sharing-Lösungen gefüttert werden. Was hat sich seitdem in Ihrem Hause getan?

Copyright m-way ag
Dr. Hans-Jörg Dohrmann, CEO m-way ag

Hans-Jörg Dohrmann: Sehr viel. Wir haben vom ersten Tag an den Kunden sehr genau zugehört, um schnell herauszufinden in welchen Segmenten der Markt schon reif genug war. So konnten wir uns im Endkundengeschäft zügig auf den Handel mit hochwertigen E-Bikes, passendes Zubehör und Accessoires sowie Versicherungs- und Finanzierungslösungen für diese Produkte fokussieren. Dort sind wir in der Schweiz nun bereits Marktführer. Im Business-Kunden Bereich sind wir ähnlich vorgegangen und haben zunächst das Bedürfnis der Kunden nach unabhängiger Beratung und Projektmanagement Know-How erkannt. Im Zuge der dann durch uns realisierten Projekte hat sich klar herausgestellt, dass der Business-Kunde Gesamtlösungen bestehend aus Fahrzeugen, Infrastruktur und Online-Lösungen benötigt und diese sehr kostenbewusst umsetzen möchte. Die Zeiten, in denen E-Mobilität ein „Gag“ zu Werbezwecken war, sind zum Glück vorbei. Die neuen Produkte und Lösungen bieten auch für Firmen ernstzunehmende Mobilitätsalternativen.

Veronika Bellone: Heute stellen Batterie-Reichweite und Verfügbarkeit von Ladestationen noch Engpässe für die Endverbraucher/innen dar. Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung und was kann m-way dazu beitragen?

e-Bike Tower by m-way. Foto © m-way ag
e-Bike Tower by m-way. Foto © m-way ag

Hans-Jörg Dohrmann: Im Bereich der E-Bikes spielte beziehungsweise spielt dieses Problem ohnehin keine Rolle. Die hochwertigen E-Bikes haben eine mehr als ausreichende Reichweite für alle Dinge des täglichen Lebens bzw. die Dauer einer sehr langen Radtour. Der Akku kann dann praktisch am normalen Stromnetz wieder aufgeladen werden. Gleiches gilt bereits für E-Scooter und E-Motorräder. Die Reichweiten der hochwertigen Produkte entsprechen ebenfalls den verschiedenen Einsatzzwecken der modernen Kunden. Hier muss man keine Kompromisse mehr machen. Auch diese Produkte können über das heimische Stromnetz wieder aufgeladen werden. Im Bereich der E-Autos hat man inzwischen die Stecker- und Ladeprotokolle standardisiert, so dass der Kunde inzwischen jedes moderne Fahrzeug an nahezu allen Ladepunkten aufladen kann. Und dank inzwischen verfügbarer, preiswerter Angebote nimmt die Anzahl von Ladepunkten immer weiter zu. Dennoch ist es wichtig den Kunden immer ganz individuell zur beraten. Man muss das Nutzerverhalten des Kunden kennen, um den Kunden auf die richtigen Produkte hin beraten zu können.

Veronika Bellone: Velos haben sich vom Freizeitgut zu einem vollwertigen Verkehrsmittel entwickelt. Wie unterstützt m-way die Verkehrssicherheit und eventuelle Infrastrukturmassnahmen? Stehen Sie mit Stakeholdern in Verbindung?

Hans-Jörg Dohrmann: Bei m-way gehört es zu jeder Kundenberatung zum absoluten „Standardprogramm“ den Kunden auch im Hinblick auf Verkehrssicherheit zu beraten. Dazu gehört der Helm, die Beleuchtung, Reflektoren und gegebenenfalls auch Schutzkleidung. Darüber hinaus stehen wir mit den Herstellern und Entwicklern in Kontakt, die Innovationen mit uns diskutieren und unsere Meinung zu Weiterentwicklungen einholen. Durch unseren direkten Zugang zu den Kunden können wir hier wertvolle Inputs liefern.

Veronika Bellone: Können Sie uns im Rahmen Ihrer Nachhaltigkeitsaktivitäten etwas über die Weiternutzung gebrauchter Fahrrad-Akkus erzählen? Uns wurde mitgeteilt, dass in Deutschland, im Raum Brandenburg, Akkus als Energiespeicher für Häuser verwendet werden.

Hans-Jörg Dohrmann: Bei m-way haben wir einen standardisierten Rücknahmeprozess für gebrauchte Akkus installiert. Jeder Kunde kann bei uns seinen alten Akku kostenlos abgeben. Wir sorgen mit unseren Partnern für eine umweltbewusste Entsorgung beziehungsweise Wiederverwertung. Gleiches gilt übrigens auch für alte Velos, bei denen wir mit der tollen Initiative Velos für Afrika zusammenarbeiten.

Bike-Port. Foto © m-way ag
Bike-Port. Foto © m-way ag

Zu Ihrer Frage: Selbstverständlich können Akkus in modernen Häusern zur (Zwischen-) Speicherung von Energie genutzt werden. Dies kann zum Beispiel in Kombination mit einer Photovoltaik-Anlage oder anderen Energiekonzepten der Fall sein. Die hierfür notwendigen Akkus sind jedoch Spezialakkus, die nur für diesen Zweck aufgebaut wurden. Dennoch ist es natürlich denkbar, dass alte Fahrzeug-Akkus beziehungsweise deren Bestandteile im Wege des Recycling-Prozesses in Form solch moderne Hausanlagen weiterleben.

 

Veronika Bellone: Wie lebt m-way ökologische, ökonomische, soziale und kulturelle Nachhaltigkeit nach innen? Gibt es hier standardisierte Prozesse?

 

Hans-Jörg Dohrmann: Dort wo es sinnvoll ist, haben wir entsprechende Prozesse aufgebaut. Dies gilt zum Beispiel für das Recycling anfallenden Mülls in unserer Zentrale. Viel wichtiger als Prozesse sind in kleineren- und mittelgrossen Unternehmen aber die Menschen. Um sich selbst gegebene Werte auch zu leben, muss man die richtigen Leute im Team haben. So versuchen wir intern in allen genannten Dimensionen unserem Verständnis von Nachhaltigkeit gerecht zu werden. Wir verfolgen zum Beispiel eine absolut vorurteilsfreie und integrative Personalpolitik, sind für unsere Leute auch in schweren Zeiten da und lassen sie nicht allein, wir geben ihnen Freiraum wie sie ihre Position ausfüllen möchten, fordern aber im Gegenzug auch maximalen Einsatz für die gemeinsame Sache. m-way ist angetreten, um mit einer „guten Sache“ unternehmerisch erfolgreich zu werden. Diesbezüglich sind wir auf einem sehr guten Weg.

Veronika Bellone: Wie schätzen Sie selbst das Thema Nachhaltigkeit für Ihre Branche allgemein und für m-way im Besonderen in den nächsten 5-10 Jahren ein?

KeContact Ladestation. Foto © m-way ag
KeContact Ladestation. Foto © m-way ag

Hans-Jörg Dohrmann: Das Thema spielt in der Branche eine bedeutende Rolle. Der Kunde, der ein hochwertiges E-Fahrzeug erwirbt, hat sich vielfach auch Gedanken über sein Mobilitätsverhalten gemacht. Ein solcher Kunde möchte häufig auch weitere Informationen über das erworbene Produkt und das Geschäft in dem er dieses erworben hat. Er möchte sich nicht nur selbst nachhaltig fortbewegen, sondern wünscht sich zunehmend auch nachhaltige Produktion und verantwortungsvollen Handel. Mit diesen Anforderungen der Kunden wird sich die ganze Branche in Zukunft intensiv auseinandersetzen müssen. Dies gilt natürlich auch für m-way. Wir hören auf unsere Kunden und wollen deren Erwartungen auch in diesen Bereichen übererfüllen.

 

Veronika Bellone: Welche Expansionsziele haben Sie mit m-way?

 

Hans-Jörg Dohrmann: Derzeit haben wir 16 Shops eröffnet und es sollen in diesem Jahr noch zwei bis drei hinzukommen. Im Laufe des kommenden Jahres wollen wir die Schweiz dann nahezu vollständig erschliessen. Unser Ziel ist es dann jedem Schweizer einen gut per E-Bike erreichbaren m-way Shop anbieten zu können.

Prof. Veronika Bellone, Zug/Schweiz. Foto © Th.Matla
Prof. Veronika Bellone, Zug/Schweiz. Foto © Th.Matla

Veronika Bellone: Herr Dohrmann, vielen Dank für Ihre informativen Antworten und weiterhin viel Erfolg für Ihr nachhaltiges Konzept.

 

Prof. Veronika Bellone führte das Interview mit Dr. Hans-Jörg Dohrmann, CEO der m-way ag, Zürich am 15. Oktober 2014 in der Schweiz.

 

Copyright:

Prof.Veronika Bellone, Bellone Franchise Consulting GmbH, Zug/Schweiz

Kontakt: office@bellone-franchise.com