Fünf Fragen an die Bugfoundation

Thomas Matla interviewt Baris Özel und Max Krämer, Gründer der Bugfoundation, Osnabrück

1. Thomas: Ihr habt als junges Unternehmen im Februar 2014 den Entschluss gefasst, Nahrungsmittel aus Insekten zu entwickeln und europaweit zu vermarkten. Wie seid ihr auf die Idee zu diesem Geschäftskonzept gekommen?

Baris: Max hat im Thailandurlaub zum ersten Mal Insekten probiert und konnte feststellen, dass diese ziemlich gut schmecken. Anschließend hat er „Insekten als Nahrungsmittel der Zukunft“ zum Thema seiner Bachelorarbeit gemacht. Gemeinsam probierten wir später die Zugabe von gemahlenen Mehlwürmern in verschiedenen Gerichten aus. Der Burger schien uns als das ideale Produkt um das Potenzial von Insekten in Lebensmitteln voll auszuschöpfen. Mit Hilfe von Fördergeldern des europäischen Food Future-Programms haben wir gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik ein Jahr lang an der Rezeptur getüftelt und sind nun Marktreif.

Max: Vor Ort in Brüssel haben uns die Gastronomen die außerordentliche Qualität des Bux Burger bestätigt. Wir haben uns natürlich unendlich über solch ein positives Feedback gefreut! Belgien ist bereits seit längerer Zeit Produkte mit Insektenanteilen gewohnt und auch sehr kritisch bezüglich Qualität und Geschmack.

2. Thomas: Wie sehen die größten Hürden aus, die ihr bisher zu bewältigen hattet, um euer Konzept zu realisieren?

Max: Vor unserer ersten Vertriebstour in Belgien haben wir diese Tour zum Markteintritt als große Hürde angesehen. Das lag zum einen an dem eben angesprochenen Qualitätsanspruch der Belgier und zum anderen an der nicht voraussehbaren Preisakzeptanz beim Gastronomen.

Baris: Wir wurden jedoch ganz herzlich und freundlich von den Inhabern vom Six Nations und dem B34 empfangen, sodass wir rückblickend sagen können, dass es keine wirklich große Hürde war. Eher eine euphorisierende Erfahrung. Wir freuen uns auch ungemein wieder nach Brüssel zu fahren.

3. Thomas: Ihr steigt mit eurem innovativen und nachhaltigen Geschäftskonzept gleich in ein sehr bewegtes Marktsegment ein und bietet einen „Bux Burger“, den ihr zusammen mit dem Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik e.V. entwickelt habt. In Deutschland wird die Einführung aus rechtlichen Gründen wohl noch bis 2016 dauern, in Belgien seid ihr bereits im Juli 2015 damit gestartet. Was habt ihr bisher in Belgien erreichen können und wie sind die Reaktionen?

Baris: In Belgien werden Insekten bereits seit längerer Zeit verarbeitet und auch im Ganzen konsumiert. Die Vorteile liegen ja auf der Hand: wohlschmeckend, gesund und außerordentlich nachhaltig. Es war also nichts Neues für die Gastronomen, dass zwei durchgeknallte Jungs mit einem Burger „Made of Insects“ bei ihnen vorsprechen. Die Reaktionen waren überwiegend positiv und haben uns auch einen enormen Motivationsschub gegeben.

4. Thomas: Durch Ästhetik, Geschmack und Marketing wollt ihr einen neuen Megatrend auslösen. Könnt Ihr euch vorstellen, dass es bald Insekten-Burger in Franchise-Systemen, wie McDonald`s und Burger King, geben wird?

Baris: Ich kann mir vorstellen, dass die großen Franchiser den Trend nicht auslassen werden und / oder vielleicht schon selbst an einer Entwicklung sitzen. Den Bux Burger sehe ich jedoch nicht bei einer großen Fast Food Kette. Es sei denn, es ist unsere eigene.

Max: Verschiedene Studien, unter anderem von Nestlé, sagen aus, dass Insekten in Zukunft zu unserem Ernährungsplan gehören. Die großen Franchiser würden einen großen Fehler, machen wenn sie das Thema Entomophagie nicht auf dem Radar haben.

5. Thomas: Wie sehen eure nächsten Schritte und eure Zukunftspläne aus?

Max: Wir wollen natürlich den gesamten europäischen Markt mit unserem Burger beglücken. Wir arbeiten täglich mit Behörden und Lobbyisten zusammen und wollen die Entomophagie in der EU vorantreiben. Wir haben natürlich nicht nur den Bux Burger in petto. Wir und das Team arbeiten fleißig an neuen Produkten und Geschäftsfeldern. Eine Foundation soll schließlich auch ein essentieller wichtiger Ansprechpartner der Thematik sein.

Baris: Genau, von der  Forschung bis zur Logistik, über Grafikdesign und Marketing haben wir das Knowhow im eigenen Haus. Das nutzen wir natürlich! Man darf also gespannt sein in Zukunft von uns zu hören!

Thomas: Vielen Dank Baris und Max für eure spannenden Antworten. Toll, wie ihr euch einerseits zum Kompetenzknotenpunkt in Sachen Insektenfood in Europa aufstellt und entwickelt sowie andererseits ganz konkrete und erfahrbare Produkte, wie den Bux Burger, anbietet. Ich wünsche euch ein wirklich großen Erfolg für eure Bugfoundation!

Das Interview von Thomas Matla mit Baris Özel und Max Krämer wurde im September 2015 geführt.

Copyright: Thomas Matla, Greenfranchise Lab®, Berlin

Kontakt: office@greenfranchiselab.com Homepage: www.greenfranchiselab.com

Fotos und Grafiken © Bugfoundation