Fünf Fragen an die BIO COMPANY

Thomas Matla interviewt Georg Kaiser, Geschäftsführer und Mitinhaber der BIO COMPANY GmbH, Berlin

Erste BIO COMPANY Filiale in Kleinmachnow. Foto © BIO COMPANY

1. Thomas Matla: Herr Kaiser, 1999 in Berlin-Charlottenburg als „natürlicher Supermarkt“ gestartet, verfügt die BIO COMPANY heute, als Marktführer in Berlin-Brandenburg, bereits über 44 Märkte in Berlin, Brandenburg, Dresden und Hamburg sowie fünf weitere in Vorbereitung. Wollen Sie mit der BIO COMPANY ein Big Player im deutschen Lebensmitteleinzelhandel werden? Wie sieht Ihre Expansionsstrategie aus?

Georg Kaiser: Wir lokalisieren uns im Wesentlichen im Osten und Norden Deutschlands. Hier haben wir Filialen in Berlin, Brandenburg, Hamburg und Dresden. Wir sind ein Berliner Unternehmen, an und östlich der Elbe ist unsere Heimat. Hier wollen wir auch bleiben, ansonsten könnten wir unser anspruchsvolles Regionalkonzept auch gar nicht verfolgen.

Georg Kaiser, GF/Mitinhaber © BIO COMPANY

2. Thomas Matla: Worin unterscheidet sich die BIO COMPANY von anderen Bio-Märkten? Was ist das Besondere für Kunden und Kundinnen? Worin steckt der USP?

Georg Kaiser: Wir führen vom Bundesverband Naturkost und Naturwaren e.V. zertifizierte Fachgeschäfte. 

Obst- & Gemüse-Bereich © BIO COMPANY
Obst- & Gemüse-Bereich © BIO COMPANY

Dies bedeutet, dass wir ein 100 prozentiges Bio-Sortiment führen und dass sich der Kunde wirklich darauf verlassen kann. Zudem versuchen wir ein Höchstmaß an regionalen Produkten anzubieten. Dabei arbeiten wir eng mit unseren regionalen Partnern zusammen. Wir beziehen sie mit ein, sprechen mit Ihnen, wie man Strategien und Sortimente entwickeln kann und was der Bauer letztlich dafür braucht und einnehmen muss. Hierbei sind wir ebenfalls in einem regionalen Zusammenschluss organisiert, der hier in Berlin/Brandenburg „fair & regional“ heißt, ein runder Tisch der ähnlich wie ein regionales Pendant zu „fair trade“ funktioniert.

Überdies sind wir Gründungsmitglied der BioBoden Genossenschaft. Diese setzt sich dafür ein, dass die Bauern wieder mehr Anbauflächen für ihre Bioprodukte erhalten, was derzeit durch Landgrabbing und Spekulation erschwert wird.

Fleisch-, Wurst- und Käse-Theke © BIO COMPANY
Fleisch-, Wurst- und Käse-Theke © BIO COMPANY

Eine weitere Besonderheit ist auch unser hoher Frischeanteil, besonders wird dies sichtbar durch unsere Fleischtheken. Durch die Biomanufaktur Havelland, unseren eigenen Fleisch- und Wurstwarenverarbeitungsbetrieb, können wir hier eine sehr hohe Qualität und Frische anbieten.

3. Thomas Matla: Unternehmenserfolg hängt immer auch von guten Mitarbeitenden ab. Die BIO COMPANY beschäftigt über 1.200 Mitarbeiter/innen, darunter über 100 Auszubildende und wurde von der IHK Berlin 2010 und 2015 für Ihre gute Arbeit im Rahmen des Wettbewerbs „Bester Ausbildungsbetrieb Berlin“ ausgezeichnet. Was tun Sie für eine gute Unternehmenskultur?

Georg Kaiser: Wir schauen zunächst auf den Menschen selbst. Natürlichkeit ist uns neben Engagement, Kreativität und Freundlichkeit sehr wichtig. Das wird bei uns wirklich gelebt. Und hierzu gibt es auch Workshops. Besonderheit bei uns ist auch, dass sich unsere Mitarbeiter individuell weiterentwickeln können. Wir haben zahlreiche Weiterbildungsangebote, die gerne genutzt werden. Einige unserer Azubis dürfen auch ein Auslandspraktikum in London bei dort ansässigen Bioläden absolvieren. Und einige Mitarbeiter von uns waren ebenfalls schon dort, um sich Inspirationen zu holen. Zudem engagieren wir uns im Sinne der Unternehmenswerte und des Bio-Gedankens auch nach außen durch die Teilnahme an Aktionen wie dem Mit Mach Wald oder der BioBrotbox, an denen sich unsere Mitarbeiter auch beteiligen. Beliebt sind auch gemeinsame Erlebnisse wie die Teilnahme am Firmenlauf, den Firmentischtennisturnieren oder das Feiern von Mitarbeiterjubiläen. Zur Förderung unserer Firmenkultur trägt sicher auch bei, dass wir unsere Führungs- und Nachwuchsführungskräfte intensiv schulen, um einen kooperativen und dialogischen Führungsstil zu pflegen. Ein ehrlicher Austausch zwischen den Mitarbeitern ist dabei für uns sehr wichtig.

4. Thomas Matla: Sensibel, im Lebensmitteleinzelhandel, sind die Preise. Wie schaffen Sie es, Ihren Verbraucher/innen die Werthaltigkeit Ihres Angebotes glaubhaft zu vermitteln und bieten Sie zusätzlich Teilhabemöglichkeiten für Menschen mit geringeren Einkünften?

Back-Shop © BIO COMPANY
Back-Shop © BIO COMPANY

Georg Kaiser: Wir versuchen die Werte, die hinter den Markenherstellern und der Produktion von hochwertigen Bioprodukten stehen – und die ja auch die unsrigen sind - transparent zu vermitteln. Dies tun unsere Mitarbeiter täglich in den Filialen, wir haben zudem ein monatliches Kundenmagazin, welches in den Märkten ausliegt. Und letztlich findet dies auch in unserer gesamten Kommunikation statt, beginnend von unserer Regionalpartnerbroschüre bis hin zu Vorträgen oder den sozialen Medien.

 

Ebenso bieten wir für Menschen mit schmalerem Geldbeutel Eigenmarken oder so genannte Einstiegsmarken im Dauerniedrigpreis-Segment an. So ist für jeden etwas dabei. Wir erleben es aber oft, dass die Kunden über günstigere Artikel auch das Sortiment kennen lernen und dann durchaus auch zu hochwertigen Marken greifen.

Zu erwähnen wäre auch, dass wir Brot vom Vortag oder Produkte einige Tage vor Ablauf des Mindeshaltbarkeitsdatums reduziert anbieten. Ebenso unterstützen wir die Organisation foodsharing seit der Gründungsphase 2012 und die Lebensmittelretter dürfen sich bei uns nicht mehr verkaufsfähige Ware, die aber dennoch verzehrfähig ist, abholen.

5. Thomas Matla: Neben den Produkten selbst, spielt Nachhaltigkeit auch in der Shop-

Gestaltung und der Technik eine große Rolle. Wo sehen Sie Highlights in der

Ausgestaltung der BIO COMPANY Märkte?

Georg Kaiser, GF & Mitinhaber © BIO COMPANY
Georg Kaiser, GF & Mitinhaber © BIO COMPANY

Georg Kaiser: Wir verbinden Nachhaltigkeit mit einem modernen Design. Ganz wesentlich sind dabei die Verwendung von natürlichen Materialien. Unsere Displaymöbel bestehen dabei aus Holz, die aus nachhaltiger, heimischer Forstwirtschaft stammen. Sie werden mit Ökofarben behandelt und haben Stoßelemente aus Naturkautschuk. Zudem sind unsere Böden aus Naturstein und nicht chemisch behandelt. Eine Besonderheit ist auch, dass wir durch ein ausgeklügeltes Wärmerückgewinnungs­system bei unseren Kühlelementen mittlerweile in den meisten Filialen auf eine Heizung verzichten können. Es steht außer Frage, dass wir Ökostrom beziehen, aber der beste Strom ist immer noch der, den man gar nicht erst verbraucht.

Thomas Matla: Vielen Dank, Herr Kaiser, für Ihre umfangreichen Informationen zur BIO COMPANY und viel Erfolg für Ihr weiteres nachhaltiges Wirtschaften.

Das Interview von Thomas Matla mit Georg Kaiser wurde im August 2015 geführt.

Copyright: Thomas Matla, Greenfranchise Lab®, Berlin

Kontakt: office@greenfranchiselab.com Homepage: www.greenfranchiselab.com

Für alle Fotos dieser Seite liegt das Copyright bei der BIO COMPANY GmbH.

Hier kommen Sie zu einem sehenswerten Imagefilm der BIO COMPANY

vom Juli 2015: https://www.youtube.com/watch?v=wZjJpcr5YJg.