Fünf Fragen an die AccorHotels Deutschland GmbH

AccorHotels © Abaca Corporate Barbara Zonzin
AccorHotels © Abaca Corporate Barbara Zonzin

Nachhaltigkeitspionier AccorHotels

Prof.Veronika Bellone interviewt Sascha Dalig, Vice President Operations Franchise, AccorHotels Deutschland GmbH

Im Jahr 2010, zwei Jahre nach dem Start unserer Greenfranchise-Initiative, haben wir mit dem damaligen CEO der Accor Hotellerie Deutschland Michael Mücke ein Interview zum Thema Nachhaltigkeit geführt. Dabei stellte sich heraus, dass das nachhaltige Engagement der weltweit agierenden Unternehmung bereits 1994, mit einer beim Vorstand angebundenen Abteilung für Umweltbelange, institutionalisiert wurde. 

Schon vier Jahre später wurde die erste Umweltcharta bei AccorHotels eingeführt. 2006 folgte die Implementierung des Earth Guest Programms. 2011 wurde das Programm „Planet 21“, in 2016 dann „Planet 21 ACTING HERE!“  international gelauncht. Der Programmname lehnt sich an die „Agenda 21“ an, die in der ersten UN-Klimakonferenz 1992 verabschiedet wurde und die Leitlinien für das 21. Jahrhundert beinhaltet.

Für die engagierte Realisierung der nachhaltigen Programminhalte von „Planet 21 ACTING HERE!“ wurde AccorHotels Deutschland 2018 mit dem Green Franchise Award ausgezeichnet.

Green Franchise Award 2018 für AccorHotels Deutschland - Marion Stemmler & Sascha Dalig © Deutscher Franchiseverband e.V
Green Franchise Award 2018 für AccorHotels Deutschland - Marion Stemmler & Sascha Dalig © Deutscher Franchiseverband e.V

Als weltweit führendes Reise- und Lifestyle-Unternehmen und digitaler Innovator bietet AccorHotels einzigartige Erlebnisse in mehr als 4.600 Hotels, Resorts und Apartmentanlagen in 100 Ländern. Lesen Sie nachfolgend das Interview von Prof. Veronika Bellone mit Sascha Dalig (AccorHotels Deutschland GmbH, Vice President Operations Franchise) zum Anspruch und Status Quo der multiplizierten Nachhaltigkeitsmaßnahmen.

Prof. Veronika Bellone: Sie haben im letzten Jahr den Green Franchise Award erhalten. Die Auszeichnung bewertet nicht nur das Engagement hinsichtlich ökologischer, ökonomischer, sozialer und kultureller Nachhaltigkeit, sondern auch die reale Multiplikation über die Franchisepartner. Wie schaffen Sie es, Ihre Franchisepartner für den großen Nachhaltigkeitseinsatz zu begeistern?

AccorHotels: Unsere Franchisepartner sind aktiver Bestandteil unseres Netzwerks und sehen den Verbrauch von Ressourcen in ihrer täglichen Arbeit sehr deutlich. Ein Engagement hin zu mehr Nachhaltigkeit wird im Kleinen in jedem Hotel gelebt. Als Teil der großen Gemeinschaft ist die aktive Teilnahme und Unterstützung von „Planet 21“ und „Plant for the Planet“ für die Franchisepartner ein willkommenes Hilfsmittel, um diesem Ressourcenverbrauch entgegen zur wirken und sich für ihr Engagement mit einer Planet 21 Zertifizierung auszuzeichnen.

Prof. Veronika Bellone: AccorHotels gehört zu den Nachhaltigkeits-Pionieren in der System-Hotellerie. Nachhaltiges Verhalten ist insbesondere bei den Generationen Y und Z (ab 1980 und ab ca.1995 Geborene) Teil des Lebensstils. Stellen Sie seit Einführung von „Planet 21“ eine Veränderung bezüglich der Akzeptanz Ihrer Bemühungen bei den Partnern und Mitarbeitenden fest?    

AccorHotels: Grundsätzlich ist in den Hotels das Verständnis auf jeden Fall vorhanden. Durch die in der Hotellerie traditionell hohe Fluktuation, die sich in den jungen Generationen auch noch einmal verschärft, ist es umso wichtiger, das Thema Nachhaltigkeit aktiv zu leben. Es ist zu sehen, dass die jungen Kollegen die Basis von Planet 21 sogar nutzen, um neue Ideen zu noch mehr Nachhaltigkeit umzusetzen. So wird die Grundidee mit der Selbstverpflichtung und Sensibilisierung der Teams ein Grundpfeiler, auf den weiter aufgebaut wird. Das positivste Beispiel aus 2018 ist die zunehmende Nutzung von „Too Good To Go“, eine App die es ermöglicht nicht verbrauchte, aber noch gute Lebensmittel, abzugeben und so die Lebensmittelabfälle in den Hotels zu reduzieren.

Prof. Veronika Bellone: Wie nehmen Sie Trendveränderungen wahr und wie stimmen Sie diese auf Ihr nachhaltiges Leistungsangebot ab?

AccorHotels: Trendveränderungen erleben wir durch externe Impulse, der Entwicklung auf den großen Märkten und dem Feedback aus den Hotels, aber auch durch eine direkte Rückmeldung der Reisenden und Reiseorganisatoren. Natürlich arbeiten wir auch an eigenen Impulsen, um Trends zu setzen. Wir nutzen beispielsweise die Digitalisierung, um den ökologischen Fußabdruck zu verringern und versuchen vermehrt aus analogen Prozessen digitale Prozesse zu machen. Hemmnisse sind hierbei oftmals Gesetze und Vorschriften, die beispielsweise Schriftformen fordern und so die Reduzierung von Ressourcenverbrauch eindämmen. Im Bereich der Energieversorgung arbeiten wir mit Partnern für ein effizientes Controlling zusammen und können den Partnern Hinweise zu Einsparpotentialen bei gleichbleibender Gästequalität anbieten.

Prof. Veronika Bellone: Wie zahlt sich bei Ihnen grünes Wirtschaften aus? Gewinnen Sie mehr Hotelgäste, steigen die Kundenzufriedenheit und Bekanntheit der Hotelmarken?

AccorHotels Gemüsegarten © Jacek Kniatowski
AccorHotels Gemüsegarten © Jacek Kniatowski

AccorHotels: Wir haben die Möglichkeit, die erreichten Planet 21 Zertifikate der Hotels auf unseren eigenen Webseiten, aber auch extern über andere Plattformen zu bewerben. Damit wird die aktive Arbeit zum Thema Nachhaltigkeit den Gästen und Kunden direkt gezeigt und es bleibt nicht nur bei einem konzernweiten Nachhaltigkeitsbericht, der die Gesamtsituation darstellt. So brechen wir die Ergebnisse für Kunden und Gäste greifbar herunter.

 

Wir erreichen Kunden, die selber das Thema Nachhaltigkeit leben und es sich zur Aufgabe gemacht haben, Hotels nach diesen zu filtern, über unsere Arbeit sehr gut. Zudem erreichen wir Gäste sehr persönlich, wenn sie im Hotel vor einem Gemüsegarten stehen und sehen, dass die Kräuter hier frisch angebaut werden, oder auf dem Frühstückbuffet ein Glas mit im Hotel selbst hergestellten Honig zum Frühstück bekommen.

 

Eine aktive Gästebeteiligung erreichen wir z.B. auch mit unserem „Plant for the Planet Programm“, indem wir die Gäste bitten, ihre Handtücher mehrfach zu verwenden. Der hierdurch eingesparte Betrag wird in ein lokales Wiederaufforstungsprojekt investiert. Unsere Gäste können bei uns also mit Handtüchern Bäume pflanzen.

AccorHotels Reusing Towels © Shirley Andrews
AccorHotels Reusing Towels © Shirley Andrews

Prof. Veronika Bellone: Wo sehen Sie besondere Herausforderungen in zukünftigen Entwicklungen, die Sie im Programm „Planet 21“ berücksichtigen müssen?

Sascha Dalig © AccorHotels 2019
Sascha Dalig © AccorHotels 2019

AccorHotels: Ein wichtiges Thema, welches uns zurzeit umtreibt, sind die Vorgaben zur Plastikreduzierung. Strohhalme und Coffee-to-go Becher stellen noch einfach zu lösende Aufgaben dar. Wir finden jedoch Plastik in beinahe allen Bereichen der Hotels und es reicht nicht, wenn wir nur ein Umdenken in den Hotels erreichen. Vielmehr sind wir darauf angewiesen, dass die Lieferanten und Hersteller ihre Prozesse umweltschonendender und verpackungsmittelreduzierter anbieten.

 

Nur so können in der ganzen Wertschöpfungskette Ergebnisse erzielt werden. Außerdem ist die Erfassung und Dokumentation im Rahmen von Abfallmanagement extrem wichtig. In beinahe allen Städten werden von den Entsorgern Abfallkonzepte von den Hotels gefordert. Hier möchten wir mit integrierten Tools helfen und Hilfsmittel zur Erstellung dieser Konzepte bieten.

 

Als letztes Thema ist uns der Kinderschutz seit Jahren eine Herzensangelegenheit. Wir sensibilisieren die Mitarbeiter in allen Hotels zum Thema Kinderschutz und hinsichtlich sexueller Ausbeutung von Kindern, damit wir sicher sind, dass in unseren Hotels weltweit, keine Kinder und Jugendlichen zu Schaden kommen. Unsere Teams werden geschult und jährlich sensibilisiert, um dieses Thema immer präsent zu haben und sich der Verantwortung für die nächsten Generationen bewusst zu sein.

Prof. Veronika Bellone: Vielen Dank, Herr Dalig, für Ihre anschauliche Beantwortung meiner Fragen. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg für Ihren nachhaltigen Weg.

Das Interview führte Prof.Veronika Bellone mit Sascha Dalig im Februar 2019.

© Prof.Veronika Bellone, Bellone Franchise Consulting GmbH, Zug/CH.

Kontakt: office @bellone-franchise.com www.bellone-franchise.com