Nachhaltigkeitsberichterstattung für Unternehmen mit mehreren Standorten

Thomas Matla im Gespräch mit Matthias Keitel, Business Development Manager, 360report

Das EU-Parlament stimmte mit seinem Votum am 15. April 2014 dem Vorschlag zur Richtlinie zur Offenlegung nicht-finanzieller Informationen zu und führt damit eine verpflichtende CSR-Berichterstattung innerhalb der EU ein.

 

Unternehmen, an denen ein öffentliches Interesse besteht, wie Finanzdienstleister, Versicherungen und börsennotierte Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden, werden zukünftig auch ihre nicht-finanziellen Informationen offenlegen müssen. Insgesamt sind es rund 6000 Unternehmen und Organisationen in der EU.

 

Kleine und mittelständische Unternehmen, wie Franchise-Systeme, sind somit noch nicht direkt betroffen. Wenn auch damit zu rechnen ist, dass zukünftig die Mitarbeitenden-Grenze auf 250 gesenkt wird. Indirekt betrifft diese Entscheidung sie jedoch schon. Denn der Druck, die eigenen Nachhaltigkeitsbemühungen offenzulegen, nimmt beständig zu und wird zu einem echten Wettbewerbsvorteil in Bezug auf den Franchise-Nehmer/innen-Markt, den Zuliefer/innen-Markt, den Finanzbeschaffungs-Markt, wie den Absatz-Markt.

 

Hier setzt das in Berlin ansässige Unternehmen 360report GmbH an und bietet eine kostengünstige Software zur Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten.

Thomas Matla: Guten Tag Herr Keitel, Ihr Unternehmen steht für Nachhaltigkeitsberichterstattung. Sie wollen besonders kleinen und mittelständischen Unternehmen ermöglichen eigene Nachhaltigkeitsberichte zu erstellen. Wie sieht dazu Ihr konkretes Angebot aus?

Matthias Keitel, 360report. Photo © 360report
Matthias Keitel, 360report. Photo © 360report

Matthias Keitel:  Wir bieten webbasierte Softwarelösungen an, womit Nutzer eine CO2-Bilanz sowie einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen können. Der Nutzer trägt die relevanten Nachhaltigkeitsdaten in die Eingabemasken ein und erhält auf Knopfdruck eine automatisch berechnete CO2-Bilanz sowie einen fertigen, zertifizierbaren Nachhaltigkeitsbericht. Dieser Bericht besteht aus Fließtext, Tabellen und Grafiken und kann natürlich individualisiert werden. Außerdem wird der Nutzer bei der Auswahl der relevanten Kennzahlen unterstützt und bekommt Verbesserungspotenziale aufgezeigt. Neben der Basisversion für einen Standort gibt auch eine Version für Unternehmen mit mehreren Standorten. Die Daten werden von unserer Software automatisch zu einem Gesamtbericht aggregiert. Darüber hinaus gibt es zusätzliche Module, wie zum Beispiel Nutzermanagement, graphische Analysedashboards oder die Integration zusätzlicher Nachhaltigkeits-Standards.

Thomas Matla: Was ist das Besondere an Ihrem Angebot? Was unterscheidet es von Konkurrenzangeboten?

Matthias Keitel: Das Besondere an unserem Angebot ist, dass die Software spezifisch für kleine und mittelständische Unternehmen konzipiert wurde. Die mitunter nicht einfachen und zudem umfangreichen Nachhaltigkeitsstandards sind so aufbereitet, dass auch Personen ohne spezifisches Nachhaltigkeitswissen schnell und einfach einen fertigen Bericht erstellen können, der der gängigen Struktur entspricht und alle relevanten Daten für eine Zertifizierung enthält. Eine vergleichbare Lösung für kleinere und mittelständische Unternehmen gibt es so nicht auf dem Markt. Auch große Unternehmen schätzen dieses Angebot und setzen von uns individualisiert entwickelte Softwarelösungen ein. Dabei geht es nicht nur um ihr eigenes Reporting, sondern auch um das Management ihrer Lieferketten.

Thomas Matla: Können Franchise-Systeme aus ganz unterschiedlichen Branchen und Bereichen, aus der System-Gastronomie, der Mode und der Fahrradbranche, aus dem Dienstleistungs-, Handels- und Handwerkssektor Ihre Software-Lösungen nutzen oder bedarf es spezifischer Anpassungen?

Matthias Keitel:  Das hängt vom Anspruch der Franchise-Systeme ab. Wir decken die führenden internationalen Standards wie die der Global Reporting Initiative, des UN Global Compact, der ISO 26000, des Carbon Disclosure Project und des Greenhouse Gas Protocol ab und bieten daher eine hervorragende Basis für Franchise-Systeme. Unsere Kundenstruktur ist hinsichtlich der Branchenherkunft sehr breit aufgestellt. Das unterstreicht die universelle Nutzung der integrierten Standards. Bei Bedarf integrieren wir jedoch auch zusätzliche branchenspezifische Indikatoren-Sets oder auch selbsterstellte Kennzahlen.

Dashboard © 360report GmbH
Dashboard © 360report GmbH

Thomas Matla: Nachdem bereits die Geschäftsberichte zu Imagebroschüren geworden sind, mit denen Designagenturen Preise gewinnen, stellt sich für mich die Frage, wie stark Nachhaltigkeitsberichte individualisierbar sind. Kann und darf ich meinem Nachhaltigkeitsbericht sozusagen formal meine eigene Markenprägung geben?

Matthias Keitel:  Wir von 360report wollen unseren Kunden nicht vorschreiben, wie Sie Ihren Nachhaltigkeitsbericht designen wollen. Es gibt Unternehmen, die fokussieren sich auf die Fakten und sind im Design eher schlicht, während andere viel mehr Aufwand betreiben. Wir ermöglichen jedem die Anpassung des von unserer Software ausgegebenen Berichts im jeweiligen Corporate Design. Sollten Kunden in diesem Bereich Unterstützung benötigen, bieten wir dies als zusätzlichen Service an oder vermitteln professionelle Agenturen aus unserem Partnerbereich.

Thomas Matla: Wie schätzen Sie die Entwicklung des Themas „Nachhaltigkeit“ in Bezug auf Zielsetzungen, Controlling und Berichterstattung in den nächsten 10 Jahren ein?

Matthias Keitel:  „Nachhaltigkeit“ ist ein Begriff, der seit dem Rio-Gipfel zu Beginn der 90er Jahre verstärkt Gebrauch findet. Wenn es um nachhaltige Wirtschaftsweise und eine entsprechende Berichterstattung geht, kommt aber erst seit wenigen Jahren so richtig Schwung rein. Konzerne nehmen ihre Lieferanten immer stärker in die Pflicht, über entsprechende Kennzahlen zu berichten, um ihre Reputationsrisiken zu minimieren. Die verabschiedete EU Richtlinie, die Berichterstattung über nicht-finanzielle Kennzahlen ab 2016 für eine Vielzahl von Unternehmen verpflichtend macht, ist ein weiterer Schritt auf regulatorischer Seite und wird den Trend in den nächsten Jahren noch verstärken.

Thomas Matla: Eine abschließende Frage: Wo sehen Sie das Unternehmen 360report GmbH in 10 Jahren? Welche Märkte werden Sie bedienen, welche Leistungen werden Sie anbieten?

Matthias Keitel: Wir wollen nachhaltige Wirtschaftsweise jedem Unternehmen weltweit durch unsere Angebote einfacher zugänglich machen und bieten für die oft als lästig empfundene Berichterstattung eine effiziente und kostengünstige Lösungen. In näherer Zukunft wird Nachhaltigkeitsberichterstattung nicht mehr nur Unternehmen betreffen, sondern auch für Kommunen, NGOs und andere Organisationen wie Hochschulen zum Standard werden. Dafür werden wir maßgeschneiderte Lösungen anbieten. Mittelfristig wollen wir noch stärker in die internationalen Märkte expandieren und unser Portfolio um eine Lösung zur integrierten Berichterstattung für globale Konzerne erweitern.

Thomas Matla: Herr Keitel, haben Sie vielen Dank für Ihre bereichernden Ausführungen und viel Erfolg weiterhin für 360report.

 

Das Interview von Thomas Matla mit Matthias Keitel wurde im Dezember 2014 geführt.

Copyright:

Thomas Matla, Greenfranchise Lab®, Berlin

Kontakt: office@greenfranchiselab.com