Megatrend Urbanisierung fördert Green-City-Franchising

von Prof. Veronika Bellone

 

Mein Besuch in Mailand bestärkt mich in der Aussage einmal mehr. Nach Berechnungen der UN werden bis 2050 zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben (bpb.de). Heute sind es mit rund vier Milliarden Menschen, mehr als die Hälfte. Dieser Anteil ist verantwortlich für über 75 Prozent der CO2-Emissionen.

Bosco Verticale, Mailand © Foto 01 - Prof. Veronika Bellone 07/2017
Bosco Verticale, Mailand © Foto 01 - Prof. Veronika Bellone 07/2017

Reproduzierbare Nachhaltigkeit

Der Megatrend Urbanisierung bedeutet Perspektivwechsel. Und das im eigentlichen Wortsinn. Die Verstädterung birgt neben allen gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen auch grosse Chancen, wenn man sie als Teil der Lösung betrachtet. Das beweisen immer eindrucksvoller verschiedenste Öko-City-Modelle und –Parks, die entweder vollkommen neu entstehen oder sich über nachhaltige Planung transformieren. Hierzu zählen zum Beispiel Tianjin Eco-City (http://www.tianjinecocity.gov.sg/) in China und die brasilianische Stadt Curitiba, die als dauerhaftester Nachhaltigkeitspionier und Leader des Latin American Green City Index eine herausragende Stellung einnimmt. Deren Bedeutung und nachhaltiges Vorbild haben wir auch in unserem Buch „GREEN FRANCHISING“, Bellone/Matla beschrieben, um reproduzierbare Nachhaltigkeitsmodelle vorzustellen. So zitierten wir auch den französische Ozeanografen und Wissenschaftler Jacques Cousteau, der bereits anlässlich der ersten Rio-Konferenz 1992 sagte: „Ich habe niemals eine Initiative vergleichbar der in Curitiba gesehen, ein Beispiel, das weltweit kopiert werden sollte.“ („GREEN FRANCHISING“, Bellone/Matla, mi-Wirtschaftsbuch).  

Vertikale Begrünung

Bosco Verticale, Mailand © Foto 02 - Prof. Veronika Bellone 07/2017
Bosco Verticale, Mailand © Foto 02 - Prof. Veronika Bellone 07/2017

Singapur ist gemäss Weltwirtschaftsforum derzeit die “grünste Stadt” der Welt. 30 Prozent der Gesamtfläche sind dort mit Bäumen, Büschen und Rasen bewachsen. Hohe Abgassteuern werden in Singapur genutzt, um zum Beispiel in vertikale Begrünungen zu investieren. Eine Möglichkeit, wie sie auch in Grossstädten vermehrt genutzt wird. Zu den bekanntesten Projekten zählt der „Bosco Verticale“(Senkrechter Wald) in Mailand. Gemeint sind damit begrünte Zwillingstürme eines Hochhauskomplexes, der 2014 fertiggestellt wurde und bis dato einzigartig in Europa war. Entworfen wurden sie vom Architekten Stefano Boeri. Er erhielt dafür vom CTBUH (Council on Tall Buildings and Urban Habitat) aufgrund der Höhe und des Ausmasses des Projektes sowie der über 90 Pflanzengattungen und Bäume den Award für „Best Tall Building Worldwide“. Wie ich so vor den bewaldeten Fassaden der beeindruckenden Wohntürme stehe, frage ich mich, wie das alles gepflegt und bewässert wird. Denn hier geht es nicht mehr um’s „Hobby-Gärtnern“ und um den „grünen Daumen“, dafür ist das LEED-Gold-zertifizierte[1] Green Building  mit einer Gesamtfläche von zwei Hektar Wald doch zu gewaltig. Und definitiv gibt es ein elektronisch kontrolliertes Bewässerungssystems, das Brauchwasser aus dem Grundwasser über Schläuche in die Balkonkästen pumpt und fest angestellte Gärtner, die sich um die Pflanzenpflege kümmern. Auch den lokalen Windstärken und Böen, die bis 160 km/h betragen können, halten die  Pflanzen  stand. Immerhin wurden derlei Pflanzpakete zuvor in einem Windkanal mit bis zu 190 km/h getestet (welt.de). 

 

[1] LEED steht für Leadership in Energy and Environmental Design. Ein Rating System für „Green Buildings" (garteninspector.com)

Vom Prototyp in die Multiplikation

Bosco Verticale, Mailand © Foto 03 - Prof. Veronika Bellone 07/2017
Bosco Verticale, Mailand © Foto 03 - Prof. Veronika Bellone 07/2017

Der "Bosco Verticale" gilt als Prototyp und wird bereits multipliziert. In der Schweiz wird in diesem Jahr das Bauprojekt des ersten begrünten Hochhauses in Lausanne gestartet. Das 117 Meter hohe Gebäude wird mit über 100 Bäumen und Pflanzen bewachsen sein und neben der Ästhetik vor allem dem Zweck dienen, ein besseres Mikroklima in den Wohnungen zu schaffen, Staubpartikel aus der Luft zu filtern und Sauerstoff zu produzieren. Das Modell wird Schule machen, davon bin ich überzeugt.

© Prof. Veronika Bellone 07/2017

www.bellone-franchise.com

Weiterführende Inspirationen und Informationen finden Sie in Artikeln und Büchern von Prof. Veronika Bellone.

 

Zum Beispiel:

 

Der Schweizer ORGANISATOR schreibt zum Praxisbuch Trendmarketing:

"... für Marketing-Verantwortliche mit strategischem Anspruch wie auch für Studierende, die sich in diesem Fachgebiet vertiefen wollen, eine Fundgrube an Wissen und Anwendungsanreiz."