Grüne Brillen-Träger/innen gesucht!

Warum Greenfranchise-Systeme Partner/innen mit Nachhaltigkeitsblick suchen. Im vierten Teil der Informationsserie der Bellone Greenfranchise Consultants® für Franchise-Nehmer/innen geht es um die personifizierte Nachhaltigkeit in Greenfranchise-Systemen. Wer sollte im System für Nachhaltigkeit verantwortlich sein? Wie könnte solch eine Stelle aussehen? Wie sollte sie definiert sein? Mit welcher Macht ausgestattet? Darum soll es in diesem Blog-Artikel gehen.

Foto © Bellone Franchise Consulting GmbH, Zug/CH
Foto © Bellone Franchise Consulting GmbH, Zug/CH

Eines ist klar, Nachhaltigkeit ist kein Nebenjob. Wer sein Franchise-System nachhaltig aufstellen will, braucht einen konsistenten Nachhaltigkeits-Gesamtplan für sein Unternehmen. Einen, in dem auch die Menschen berücksichtigt werden. Denn neben Nachhaltigkeits-Zielsetzungen und Nachhaltigkeits-Maßnahmen hängt der tatsächlich langfristige Erfolg der Nachhaltigkeits-Umsetzungen maßgeblich von den Menschen im System ab. Von der Geschäftsleitung und den Mitarbeitenden in der System-Zentrale ebenso, wie den Franchise-Partner/innen und deren Mitarbeitenden. Genauer, von ihren Positionen, Stellenbeschreibungen und Verantwortlichkeiten.

Mit der grünen Brille auf, sieht die Welt gleich anders aus

Dass mit einer klaren nachhaltigen Stellenbeschreibung anders gearbeitet und argumentiert wird, kann man in eigenen hausinternen Workshops probeweise mit den sogenannten „grünen Brillen“ leicht nachvollziehen. Teilnehmer/innen, die für ihren Bereich diese (im übertragenden Sinn) tragen müssen, treffen andere Unternehmensentscheidungen und verhalten sich anders. Das liegt in der Identifikation mit den Zielen und Definitionen begründet. Nachhaltig aufgestellte Franchise-Systeme können diese Effekte konstruktiv für nachhaltige Unternehmenszielsetzungen nutzen.

MAMMUT setzt hausinterne Göttis ein

Die Schweizer Bergsportmarke MAMMUT, Komplettanbieter für die Outdoorwelt und mit Franchise-Shops in Deutschland vertreten, nutzt diesen Ansatz. Vor Jahren schon wurde von der Geschäftsleitung und den Mitarbeitenden gemeinsam eine CSR-Strategie erarbeitet. In  allen Abteilungen und auf allen Hierarchie-Stufen fanden sich dafür freiwillig Verbündete, die „CSR-Göttis“ genannt wurden. „Götti“ ist Schweizerdeutsch und steht für „Pate“. Diese Göttis sollten in den Unternehmens-Meetings, mit einer „grünen Brille“ auf, die Geschäftspraktiken verfolgen. Und tatsächlich wurde dadurch der Status-Quo häufiger hinterfragt und diskutiert, als üblich. Das führte zu den gewünschten Veränderungen. Am Anfang waren diese klein. Die Umstellung der Drucker und das doppelseitige Bedrucken der Blätter führte zu einer Reduzierung des Papierverbrauchs. Dann folgten der Einbau von Wasserspardüsen, die Errichtung von Recyclingstationen und die Entwicklung von umweltschonenden Schuhverpackungen. Für Recycling- und Produktentwicklungsmaßnahmen wurde MAMMUT mit dem Eco-Design-Award ausgezeichnet. Ausgangspunkt all dieser Nachhaltigkeits-Maßnahmen war die unternehmerische Verankerung der verantwortlichen und nachhaltigen Sichtweisen in Form der Position der Mitarbeitenden, der sogenannten „Göttis“. (Nachzulesen im Buch „Green Franchising“, Veronika Bellone & Thomas Matla; ISBN Print 978-3-86880-137-8; ISBN E-Book (PDF) 978-3-86416-109-4; https://www.m-vg.de/mi/shop/article/2993-green-franchising/ )

Feste Bezugspunkte für die Unternehmensnachhaltigkeit

Nachhaltigkeit in Unternehmen ist ein Prozess, der feste Bezugspunkte braucht. Einerseits zur strategischen Planung, andererseits zur Realisation, zum Controlling und zur ganzheitlichen Steuerung. Dafür feste Jobbeschreibungen zu schaffen, ist außerordentlich hilfreich. So finden sich in Franchise-Systemen Nachhaltigkeitsverantwortlichkeiten auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Einerseits übernehmen in den Franchise-Zentralen die System-Gründer/innen, Inhaber/innen, Geschäftsführer/innen oder Vorstände die maßgebliche Nachhaltigkeits-Verantwortung und entscheiden ob und wie stark nachhaltig verantwortliches Wirtschaften bereits im System festgeschrieben ist (Verträge, Handbücher, Vision, Mission, Leitbilder etc.) und zukünftig realisiert werden sollte.

Franchise-Partner/innen mit grüner Brille

Andererseits können sich die Franchise-Partner/innen, mit einer grünen Brille auf, einbringen und die von der Systemzentrale definierten Nachhaltigkeitsstandards in ihrer Region konsequent umsetzen sowie kontinuierlich auszubauen. Gleichzeitig ist ihre aktive Mitarbeit zur nachhaltigen Weiterentwicklung des Franchise-Systems, zum Beispiel in Franchise-Beiräten, gefordert. In den einzelnen Franchise-Niederlassungen können die Franchise-Partner/innen entsprechende Positionen unter den Mitarbeitenden definieren, die sich verantwortlich um Nachhaltigkeit kümmern. Das können „CSR-Beauftragte“ sein (CSR = Corporate Social Responsibility = Unternehmens-Sozial-Verantwortung) oder ganz einfach Nachhaltigkeitsbeauftragte, die die wirtschaftliche, umweltbezogene, kulturelle und soziale Nachhaltigkeit im Auge haben. Oder aber, Franchise-Partner/innen orientieren sich am oben beschriebenen Schweizer Mammut-Beispiel der „Göttis“ und suchen Freiwillige, die einen Nachhaltigkeitsblick in ihre Franchise-Unternehmen tragen. Durch ein Belohnungssystem für die vier Nachhaltigkeitsbereiche (Wirtschaft, Umwelt, Kultur, Soziales) können interne Nachhaltigkeitsvorschläge zudem gezielt gefördert und die Mitarbeitenden ausgezeichnet werden.

Nachhaltigkeits-Mycel zwischen Zentrale und Franchise-Nehmenden

Gibt es auch in der Systemzentrale Nachhaltigkeitsbeauftragte, ist eine einfache und höchst wirksame Vernetzung möglich. Dadurch kann ein tragfähiges Nachhaltigkeits-Wurzelwerk gebildet werden. Dieses ist die Basis für einen kompetenten Austausch, über das gesamte Franchise-System hinweg. Über Gaming-Elemente kann zudem ein Nachhaltigkeits-Vorschlagswesen etabliert werden. Dieses Vorgehen hat sich in kleinen und mittelständischen Unternehmen als praxisorientierter und wirksamer Weg erwiesen. Und es ist höchst innovativ und zeitgemäss. Im Sinne der Ganzheitlichkeit ist es zudem wünschenswert, Menschen auf allen Hierarchie-Ebenen zum Thema Nachhaltigkeit zu trainieren und sie verantwortlich einzubinden.

Übrigens: Zurzeit läuft wieder die Bewerbungsphase zum Green Franchise Award 2015. Näheres erfahren Sie unter: www.GreenfranchiseAward.com

Bellone Greenfranchise Consultants® Information Nr. 04/2015, vom 06.02.2015 © Thomas Matla, Greenfranchise Lab® Berlin