Wie können interessierte Franchise-Nehmer/innen Greenfranchise-Systeme erkennen und beurteilen?

Greenfranchise-Nehmer/innen-Information Nr. 01/2015, by Thomas Matla © Bellone Greenfranchise Consultants®

 

Der aktuelle Franchise-Nehmer/innen-Markt ist ein Nachfrage-Markt. Er ist kleiner als der tatsächliche Bedarf, den die Franchise-Systeme haben. Wie in jedem Nachfrage-Markt steigt dadurch der Konkurrenz-Druck unter den Nachfragenden, hier den Franchise-Systemen oder Franchise-Geber/innen. Sie sind gefordert, sich optimal zu positionieren, trennscharf voneinander zu differenzieren und gegenüber den potenziellen Franchise-Nehmer/innen qualitativ hochwertig zu präsentieren. Gleichzeitig steigt die Angebotsmacht der interessierten Franchise-Nehmer/innen. Sie haben die Auswahlmöglichkeit. Sie können es sich im Jahr 2015 leisten, die Franchise-Systeme genau unter die Lupe zu nehmen und zu durchleuchten. Deren Selbstdarstellungen und Anspruch mit der tatsächlichen Wirklichkeit abzugleichen. Zu analysieren, ob die Qualität und Authentizität sowie das nachhaltige Verantwortungsbewusstsein stimmen und wirklich umgesetzt werden. Auch bei den bestehenden Franchise-Nehmenden und nicht nur auf dem Papier.

Aus einer Umfrage des DFV unter seinen Franchise-Geber/innen

Laut einer Umfrage des DFV, Deutscher Franchise Verband e.V., unter seinen Mitgliedern, im Zeitraum November-Dezember 2014, gaben nur 47% der Befragten Franchise-Geber/innen an, dass sie ihre Expansionsziele in Bezug auf Franchise-Partner/innen-Gewinnung im Jahr 2014 erreichen konnten.

Das sind zwar immerhin 7% mehr als im Jahr 2013, aber doch noch immer weniger als die Hälfte aller befragten Franchise-Systeme. Interessierte Franchise-Nehmer/innen haben somit die einmalige Chance sich ihr individuell passendes Franchise-System passgenau zu suchen. Die in 2014 gewonnenen Franchise-Nehmer/innen waren, laut DFV,  hauptsächlich bereits bestehende externe Unternehmer/innen, die sich damit einem Franchise-System anschlossen, sowie bereits bestehende Franchise-Nehmer/innen der Systeme, die im Multi-Unit-Franchising, also durch die Eröffnung weiterer Franchise-Outlets, weiter expandieren wollten. Echte Unternehmens-Gründer/innen unter den Franchise-Nehmenden machten mit 43% noch immer den größten Einzel-Anteil aus, verloren aber um 20% gegenüber dem Vorjahr (Quelle: http://www.franchiseverband.com/deutscher-franchise-verband/presse/franchise-pressemitteilungen/pressemitteilungen-detailseite/artikel//die-deutsche-franchisewirtschaft-wae/?type=%3Ftx_dfvfirmportrait_pi1%5Bcategory%5D&cHash=2ec78abeb8736e791f7413af7611fe9f).

Wenn Sie, als angehende Existenzgründer/innen, im Jahr 2015 als Franchise-Nehmer/innen gründen wollen, haben Sie die große Auswahl. Und diese sollten Sie klug nutzen. Zum Beispiel durch die Entscheidung für ein profiliertes und nachhaltig aufgestelltes Greenfranchise-System, das sich bereits auf die sich verändernden Nachfrage- und Konsumgewohnheiten eingestellt hat.

Klassisches Franchising bestimmt noch immer das Gros der Franchise-Wirtschaft

Klassische Franchise-Systeme prägen seit Jahrzehnten erfolgreich die Wirtschaft. Sie sind weltweit auf den verschiedensten Kontinenten, in den verschiedensten Ländern, Branchen und Größen zu finden. Die erfolgreiche Marktdurchdringungs- und Vertriebsstrategie ist von unterschiedlichen Erfolgsfaktoren, wie der "Standardisierung" und "Pilotierung" von Leistungen, Produkten, Prozessen und Marken geprägt. Eine umfangreiche Darstellung des "Klassischen Franchisings" mit seinen Erfolgsfaktoren finden Sie im „Praxisbuch Franchising Konzeptaufbau und Markenführung“ von Veronika Bellone und Thomas Matla (Münchner Verlagsgruppe: https://www.m-vg.de/mi/shop/article/2503-praxisbuch-franchising/). 

Hauptzielrichtung des Klassischen Franchising ist es, unter Einhaltung bestimmter Fair Play-Richtlinien und anhand eines Ethik-Codex (in Deutschland: des DFV Deutscher Franchise Verband e.V.) langfristig erfolgreich zu wirtschaften, das heißt primär Gewinne zu maximieren, sowohl für die Franchise-Gebenden, als auch für die Franchise-Nehmenden. Eine grundsätzlich nachhaltig verträgliche Ausrichtung der Franchise-Systeme ist hier nicht vorgesehen, ist organisatorisch nicht verankert und kann somit nicht standardisiert multipliziert werden.

Der Megatrend Nachhaltigkeit führt weltweit zum Greenfranchising

Im Zuge des Megatrends "Nachhaltigkeit" nimmt die ganzheitliche Verantwortung für nachhaltiges Wirtschaften auch im Franchising zu. Immer mehr Konsumenten und Konsumentinnen wollen Produkte, Leistungen und Services, die mit der Umwelt, mit sozialen Standards und mit kulturellen Unterschieden vereinbar sind. Die keine ökologischen, kulturellen oder sozialen Schädigungen hervorrufen und nach dem "Cradle-to-Cradle-Prinzip" möglichst "Null-Impact" auf die Welt als Ganzes haben.

Aus ökologischer Perspektive kann das bedeuten, dass vor, während und nach wirtschaftlicher Aktivitäten keine Giftstoffe in die Umwelt gelangen, keine Färbemittel in der Modewirtschaft, keine Medikamente in der Gesundheitswirtschaft, keine Chemie in der Herstellung, kein CO2 im Transport oder in der Mobilität. Aber auch Wertschätzung von Ressourcen ist angesagt, wie die Reduktion von Energie- und Materialverbräuchen sowie die Rückführung, das Recycling, von Wertstoffen.

Aus kultureller Perspektive spielt die Wertschätzung von "menschlich-kultureller Diversität" eine große Rolle, ein Miteinander unterschiedlicher Kulturen, mit unterschiedlichen Prägungen, Religionen und Geschichten. Kultur als Chance und Bereicherung wirtschaftlichen Handelns.

Aus der sozialen Perspektive betrachtet, geht es um die Beseitigung aller schädlichen Einflüsse im zwischen-menschlichen Miteinander, um Einbezug und Inklusion, um Verträglichkeit und Menschlichkeit, um Schaffen neuer Möglichkeiten für bisher Ausgeschlossene, um die Weiterentwicklung der Gesellschaft als Ganzes. Hierbei werden, wie in allen Nachhaltigkeitsbereichen, sowohl die Beschaffungsmärkte, als auch die Absatzmärkte mit einbezogen.

Greenfranchising setzt auf integratives, nachhaltiges Wirtschaften

Die vierte Säule der Nachhaltigkeit ist die Wirtschaft. Greenfranchise-Systeme müssen langfristig gut wirtschaften. Denn sie haben eine Verantwortung gegenüber ihren Angestellten, ihren Franchise-Partnern und -Partnerinnen sowie deren Mitarbeitenden, ihren sonstigen Kooperations-Partner/innen (Bezugsmärkte, Logistik, Finanzmärkte etc.) und der Gesellschaft insgesamt. Die wirtschaftliche Nachhaltigkeit berücksichtigt, im Gegensatz zum Klassischen Franchising, immer auch die drei anderen Nachhaltigkeitssäulen. Alle vier Nachhaltigkeitsbereiche sind in Balance zu bringen, um ein ganzheitlich nachhaltiges Wirtschaften zu gewährleisten. Dabei können einzelne Nachhaltigkeitsperspektiven vordergründig als Beschränkung gesehen werden, in Wirklichkeit stellen sie Chancen dar. So fallen für die obligatorische Anschaffung von Energiesparlampen für alle Franchise-Shops erst einmal Ausgaben an. Diese Kosten verringern die Liquidität des Franchise-Nehmenden, wenn Sie nicht, wie neuerdings möglich, über Crowdinvesting realisiert werden. Gleichzeitig reduzieren diese Ausgaben jedoch die mittel- und langfristigen Energiekosten. Und schonen zusätzlich die Umwelt. Gleiches gilt für alternative Transportmöglichkeiten oder neue Mobilitätsformen für Mitarbeitende, wie beispielsweise durch den Einsatz von E-Bike-Logistik oder Mitarbeiter/innen-Firmen-E-Bikes.

Weiterführende Informationen zum „Green Franchising“ finden Sie im gleichnamigen Buch der Autoren Veronika Bellone und Thomas Matla (Münchner Verlagsgruppe: https://www.m-vg.de/mi/shop/article/2993-green-franchising/) sowie hier im Blog, als Fortsetzung, am kommenden Freitag.

Nr. 01/2015 by Thomas Matla © Greenfranchise Lab® Berlin, Bellone Greenfranchise Consultants®